sinn nicht glauben und nach Hause gehen. Es spukte auch in
der heutigen Saargemünderstraße, gegenüber der Blücherstraße,
am Wallerbrunnen, dort sollte ein verhexter Hund uͤmgehen,
und wenn er einem nichts tun sollte, so müsse man im Vorbei—
gehen sagen oder rufen: „Wallerbrünnuchen sauf mein
Hündchen,“ was die Leute, besonders die ängstlichen, wenn
sie abends vorbeigingen, auch taten. Auch in Fröhlichs Etzel,
ein Wiesengrundstück, das von einer lebenden Hecke eingefaßt
war, da wo heute die Dragonerkaserne steht, soll nachts ein
schwarzer Pudel umgegangen sein. Dann war noch eine
Spukstelle am Schanzenberger Walde, gegenüber der Dampf—
ziegelei, da, wo der Weg von der Gersweilerstraße nach Schön⸗
ecken abzweigt. Hier stand am Waldrande, zirka 20 Meter von
der Straße ein kleines Häuschen, ähnlich einem Holzhauer—
häuschen; es war damals unbewohnt. In diesem Haͤuschen
wohnte früher ein Sonderling namens Messinger, der sich in
dem Häuschen umgebracht hat; er soll sich, wie die Sage ging,
den Hals abgeschnitten haben. Es hieß nun, er ginge in seinem
Häuschen um und zwar ohne Kopf. Wenn man ihn reize oder
anrufe, käme er heraus. Dieser Unsinn wurde von aber—
gläubischen Leuten, besonders aber von der Jugend geglaubt.
In der ersten Hälfte der fünfziger Jahre war in unserer
Vaterstadt und auch anderswo eine große Teuerung. In Frank⸗
reich über der Grenze war ein sechs Pfund schweres Brot um
vier Sous billiger als bei uns. Die Folge war, daß in dieser
verdienstlosen Zeit viele Leute von hier und auch aus der
Umgegend ihr Brot über der Grenze in Frankreich kauften.
In dem zirka *4 Stunden von Saarbrüucken, jenseits der
Grenze gelegenem französischen Dörfchen Schönecken wurden
aus diesem Grunde von zwei französischen Bäckermeistern je
eine Bäckerei errichtet. Ein Brot durfte zollfrei über die
Grenze gehen. Es gingen nun an den schulfreien Nach—
mittagen, Mittwochs und Samstags, eine große Anzahl
Kinder nach Schönecken, um Brot zu kaufen.
In großen Trupps zogen die Kinder durch den Schanzen⸗
berger Wald, nachdem sie sich unten am Eingang an der Gers—
weiler Straße gesammelt hatten, denn einzeln getrauten sie sich
nicht durch den Wald, hauptsächlich aber nicht an „Messingers
Häuschen“ vorbei. Auf dem Hinwege verhielten sie sich auch
ganz ruhig: ängstlich blickten sie nach dem im Walde stehenden
Häuschen, ob der Alte ohne Kopf ihnen nicht erscheinen
werde. Wenn sie dagegen auf dem Rückwege waren und
hatten Messingers Häuschen hinter sich, dann ätmeten sie auf
und bekamen wieder Mut. Die ganze Bande fing dann an
zu laufen und schrie aus vollem Halse, ohne sich umzusehen
„Messinger komm heraus; wir machen es mit dir aus!“ Groß