Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

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hüten, die machen es ja grade so.“ „Allerdings,“ sagte er,
„sind das ja nur Ausnahmen.“ Ein großer Teil arbeitet den
freien Tag als Arbeiter im Felde, in Steinbrüchen usw., um
sich noch etwas zu verdienen. Dies Beispiel zeigt jedoch auch
den Unterschied zwischen der Stellung und dem Einkommen
eines deutschen und eines französischen Beamten.
Vielfach glaubten damals in meiner Jugendzeit, hauptsäch—
lich die beschränkten Leute, noch an Hexen und dergleichen;
dieser Aberglaube wurde in den früher hier noch üblichen
Spinnstuben gelehrt und unterhalten. Ueberhaupt war man
sowohl auf dem Lande als auch hier in Saarbrücken noch sehr
abergläubisch An verschiedenen Punkten der Stadt sollte es
spuken, wie man es hier nannte. So ging des Abends in
Trägers Gäßchen, dem Verbindungssträßchen zwischen Vor—⸗
stadtstraße und Neugasse (Wilhelmstraße) bei Café Englert,
das „Muhkalb“ um. Es war dies der Sage nach ein Fedhes
Kalb ohne Kopf. Verschiedene Leute, hauptsächlich alte Basen,
behaupteten, das Muhkalb gesehen zu haben. Nach Dunkel—
werden getrauten sich viele Leute nicht mehr durch das Gäßchen
zu gehen. Wir Jungens standen fürchtsam am Anfang oder
Ende der Gasse, die beherzten größeren wollten öfters ihren
Mut zeigen und liefen mit Geschrei, um ihre eigene Furcht zu
verdecken, durch das dunkle Gäßchen. Nicht viele aber unter
uns hatten bei Dunkelwerden den Mut durchzulaufen. Be—
merken will ich noch, daß damals alle Nebengassen und Gäßchen
ohne Beleuchtung, also völlig dunkel waren.
An der Schloßkirche spukte das „graue Männchen“, welches
den Vorübergehenden erst um 9 Uhr abends erscheinen sollte,
mit Ausnahme des Küsters, dem erschien es nie. Nach 9 Uhr
war es auch nicht mehr geheuer, allein an der Schloßkirche
vorbei zu gehen. Merkwürdigerweise erschien das graue
Männchen nur einzelnen Personen. Wenn nun jemand
abends an der Schloßkirche vorbei mußte und es war schon
d Uhr vorüber, dann nahm er sich jemand mit. Ich erinnere
mich noch, daß in der Schloßstraße, vor Schlosser Knippers
Haus, jetzt Schlossermeister C. Hochstraßer, große Menschen—
ansammlungen waren. Es ging die Sage, in dem Hause würde
es auch spuken und zwar sollte das „Kloppmännchen“ darin
umgehen und abends und nachts darin klopfen. „Eben habe
ich es gehört,“ behauptete dann einer aus der Mengez; „ich
glaube, ich habe es auch gehört“, behauptete ein zweiter; schließ⸗
lich hörten es alle; dann hieß es anderen Tags: „Gestern abend
hat es wieder in der Obergasse bei Knippers geklopft. Der Un—
fug und die Menschenansammlung war oft so stark, daß der
alte Polizeikommissar Kirchstein kommen mußte, um den
Leuten auseinander zu setzen, sie sollten doch solch einen Un—
            
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