Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

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stets ein preußischer Grenzaufseher entweder vor oder in einem
Schilderhäuschen auf Wache stand, vorbei. Häufig lagerten die
französischen Schmuggler im Sommer, wenn es noch hell und
zu früh zum Uebergäng über die Grenze war, an den drei
Eichen oder an irgend einer Stelle im Schanzenbergerwalde
mit ihren Hunden und warteten die Dunkelheit ab.
Die Kontrolle der französischen Grenzwächter scheint nicht
sehr scharf gewesen zu sein. Vielfach schmuggelten sie selber
für Einwohner von Saarbrücken nach Frankreich hinein. Die
französischen Grenzwächter sah man fast jeden Tag in Saar—
brücken Die, die Bahndienst hatten und den Zug von Forbach
nach Saarbrücken begleiteten, hatten Uniform an; die an der
Grenze postierten hatten ein Käppi auf und waren dann
meistens mit einem blauen oder grauen Kittel angetan. Auch
französische Soldaten, wenn sie nach ihren Heimatdörfern in
Lothringen oder Forbach und Saargemünd beurlaubt waren,
trieben sich sehr häufig in voller Uniform mit ihren roten
Hosen in Saarbrücken herum. Ebenso gingen unsere Soldaten,
wenn sie in Urlaub kamen, in Uniform nach Forbach, Saar—
gemünd und Metz usw., ohne jede Beanstandung, wobei die
unsrigen noch ihre Waffen (Seitengewehr) trugen, Die fran—⸗
zöfischen Soldaten bekamen keine Waffen in Urlaub mit,
durften überhaupt — mit Ausnahme der Chargierten — vor
1870 keine Waffen auch in ihrer Garnison außer Dienst
tragen.
Vielleicht war es schon damals mit der französischen Grenz—
wache so bestellt, wie es seiner Zeit ein deutscher Grenzbeamter,
den wir auf einer Vogesentour an der ——
Grenze trafen und mit dem wir uns längere Zeit auf einer
Bank unterhielten, einem Saarbrücker Herrn und mir
schilderte.
Im Laufe des Gespräches kamen wir auch auf die
Verschiedenheiten der Verhältnisse in Deutschland und Frank—
reich zu sprechen; dabei lobte er, der ein Elsässer war, seine
Stellung gegenüber der seiner Kollegen in Frankreich, die
jämmerlich schlecht bezahlt würden; ein französischer Grenz—
beamter hätte nur 50—70 Franken Gehalt im Monat. Auf
meine Bemerkung, davon könne doch unmöglich eine Familie
leben, sagte er, „da haben Sie recht, es gibt aber unter ihnen,
die lebten besser als Sie, trotzdem Sie mehr als doppelt soviel
Gehalt haben.“ Auf unsere Bemerkung: „Wie machen sie denn
dies,“ saͤgte er, „die Sache ist sehr einfach, sie haben drei Tage
Dienst, den vierten Tag haben sie frei, dann ziehen sie den
Kittel an und schmuggeln.“ Auf unsere Bemerkung, daß sie
doch von ihren auf Posten stehenden Kollegen bald erwischt
werden müßten, gab er uns zur Antwort: „die werden sich
            
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