nicht auf den Kopf gefallen; sie gingen vorher am „Halben
Mond“ vorbei und guückten durch die niedrigen Fenster, ob die
„Schützen“ drinnen saßen. Wenn der Schuͤtz einmal so einen
„Stänzbruder“ beim Obststehlen entdeckte, dann brannte ihm
der Dieb in der Regel natürlich durch; sein drohender Anruf:
„Bleibste stehen, ich kenne dich, wie heißt du?“ hatte wenig
Wirkung. Erwischte er aber wirklich mal einen Obstdieb, dann
ging er zu den betreffenden Eltern, die dann das Weitere
besorgten.
Durch die Nähe der französischen Grenze am Fuße des
Spichererberges und hart längs der alten Bremm blühte das
Schmuggelhandwerk hier ganz besonders und zwar haupt—
sächlich nach Frankreich hinüber, weniger von Frankreich nach
Deutschland. Ueber die Grenze nach Frankreich wurde haupt—
sächlich Tabak, Pulver und Schwefelhölzer durch berufs—
mäßige Schmugglerbanden gepascht. Sie bedienten sich zu
diesem Zwecke besonders abgerichteter starker Hunde. Die
Hunde mußten vor allem ein starkes Kreuz haben, weil sie
schwer beladen wurden. Sie waren abgerichtet und in be—
sonders für sie eingerichteten Stallungen hier in Saarbrücken
untergebracht und zwar in einem Hintergebäude des damaligen
Denzerschen Hauses in der Neugasse, jetzt Julius Knipper
zgehörend.
Des Nachmittags oder Abends wurden sie von den fran—
zösischen Schmugglern gesattelt, wie man es nannte, das heißt,
es wurde ihnen ein Tragsattel aufgebunden, an dem an
beiden Seiten die Schmugglerwaren, meistens Tabak oder
Pulver, befestigt war. Die Waren wurden ausschließlich von
der Großhandlung J. B. Müller, jetzt Sander in der Wilhelm—
straße entnommen.
Den Hunden wurde hier nichts zu fressen gegeben, sondern
erst jenseits der französischen Grenze in ihrer Heimat, hier—
durch hatten sie einen gewissen Trieb, so schnell wie möglich
nach Hause zu kommen. Gegen Abend oder auch am Spät—
nachmittag wurden die bepackten Hunde einzeln oder in Trupps
öffentlich durch die Stadt nach der Grenze gebracht und dort
noch auf preußischem Gebiet bis zum Dunkelwerden zurück—
gehalten und dann zu geeigneter auf einem Seitenwege
losgelassen. Die Hunde waren so dressiert, daß sie niemals der
Chaͤussee entlang liefen, sondern auf den ihnen vorher bei—
gebrachten Schleichwegen. Auch kannten sie einen französischen
Grenzwächter ganz genau und wußten auch, daß dieselben
auf sie schleßen würden. Dieser Schmuggelhandel nach Frank⸗
reich wurde von den französischen Fraudeurs auf preußischer
Seite ganz öffentlich betrieben. Ungeniert gingen sie mit ihren
bepackten Hunden durch die Stadt und am Zollamte, woselbst