Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

2

vergaßen, ruhten sie sich auf der Wachtstube aus oder sie
spielten „Sechsundsechzig“ usw. miteinander; wenn man nachts
dinmal än ihrem Wachtlokal vorbeiging, hörte man sie häufig
heftig Trumpf aufschlagen.
Mit den beiden Saarbrücker Feldhütern war es in meiner
Jugendzeit ähnlich wie mit den Nachtwächtern; sie trugen
seinerlei Abzeichen ihres Ranges und ihrer Würde; sie trugen
blaue Kittel — die damals übliche Tracht —, es waren schon
bejahrte alte Männer. Beide waren ihres Handwerks nach
Schüster, die im Sommer das Sitzen nicht gut vertragen
tonnten. Diese „Schützen“, wie die Feldhüter genannt wurden,
werden die damaligen Saarbrücker Buben hetzt sind sie ehr—
bare Großväter, wenn sie noch am Leben sind) mehr im Ge⸗
dächtnis geblieben sein als die Nachtwächter. Sie hatten auch
ihre Wachtstube, aber nicht im Rathause, sondern in der
Wirtschaft „zum halben Mond“; auch konnten sie gut Karten
spielen, Ein hiesiger Bürger namens Karp hatte in der Deutsch⸗
herrenstraße einen Garten, in dem die bösen Buben ihm öfters
das Obst stibitzten; der kam eines Tages in den „Halben
Mond“, nahm seinen Maßstab aus der Tasche und fing an die
Wirtsstube auszumessen. Die daselbst anwesenden, Gäste,
unter denen sich auch die beiden Schützen, die Karten spielten,
befanden, sahen ihn erstaunt an und meinten anfangs, es
wäre ihin nicht gut. Karp ließ sich jedoch nicht beirren,
schüttelte mit dem Kopf und murmelte vor sich hin: „Es geht
nicht, die Wirtsstube ist doch zu klein.“ Als die Schützen ihn
nun fragten, was dies zu bedeuten hätte, erwiederte er lächelnd,
er wolle nur mal sehen, ob er seinen Garten nicht nach dem
„Halben Mond“ verlegen könnte, da wäre er doch sicher, daß
hm die Buben nicht immer das Obst „strippen“ würden. Die
Schützen tranken darauf ihr Bier aus und gingen schleunigst
in den Dienst; die übrigen Gäste aber lachten ob dieser humor⸗
vollen Zurechtweisung.
Trotzdem fast jeder Bürger, auch die kleinen Leute, damals
einen eigenen Garten hatten und auch Obst bauten, dieses
also nicht selten war, schmeckte den Buben das aus anderen
Gärten „gestänzte“ Obst besser als das aus dem eigenen
Garten. Auch wurde es damals nicht so genau genommen
wie heute. „In Großvaters Garten zu gehen“, wie die Jungen
das Obststehlen nannten, galt als keine so große Sünde. Die
alten invaliden Feldhüter, die jedenfalls zu damaliger Zeit
auch schlecht bezahlt wurden und deshalb ihr Handwerk als
Schuster nicht ganz vernachlässigen konnten, waren nicht immer
im Vienst; wer sollte sie auch kontrollieren. So gut wie die
Buben konnten sie natürlich auch nicht laufen und infolge—
dessen faßten sie auch nur selten einen. Die Buben waren auch
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.