Müll- und Aschengrube im Hofe hatten, deren Inhalt sie von
Zeit zu Zeit entleeren und auf das Feld fahren ließen. Ein
großer Teil der Bürgerschaft bezw. Hausbesitzer hatte jedoch
diese Gelegenheit nicht; wenn der Korb oder Behälter voll war,
mußte er entleert und fortgeschafft werden; aber wohin mit
dem Zeug. Es wäre jedenfälls für die Stadt ein leichtes ge—
wesen, wenn sie der Bürgerschaft soweit entgegen gekommen
wäre, daß sie einige Plätze außerhalb der Stadt, welche in
ihrem Besitz waren, denselben zu diesem Zwecke angewiesen
und mit einem Schilde versehen hätte: „Hier kann Schutt
abgeladen werden!“
Abends nach 10 Uhr sah man daher häufig Leute mit
einem Korbe auf dem Kopfe, — die Lasten wurden hierorts
seitens der weiblichen Bevölkerung wie heute noch stets auf dem
Kopfe getragen — vor die Stadt nach der Bleiche zu, wo heute
die Gastwirtschaft „Fürsteneck“ steht oder nach der Spicherer—
bergstraße zu, wo heute die höhere Mädchenschule steht, nach
dem Malstatterweg, dem Platz wo die Dragonerkaserne steht
usw. wandern und nach scheuem Umschau den Inhalt ihres
Korbes entleeren und sich schnell entfernen, was bei der
abendlichen Dunkelheit für die betreffenden Sünder oder
Sünderinnen ein Leichtes war. Auch sahen die Hausbesitzer
innerhalb der Stadt des Morgens zuweilen vor ihrer Tür
den Inhalt eines solchen Korbes ausgestürzt. Dann fluchten
sie gewaltig und schimpften auf die Nachtwächter, daß diese,
statt des Nachts durch die Stadt zu gehen und aufzupassen,
auf der Wachtstube säßen und Karten spielten. Dadurch
wurde es aber nicht besser; wenn der Aschen- und Kehricht—
behälter voll war, mußte er heimlich abends ausgeleert
werden und, da es vielen Leuten zu weit war, bis vor die
Stadt zu gehen, so half man sich öfters auf die bequemere
Weise und entleerten den Korb in irgend einer Nebengasse.
Auf dem alten Sandhahnen waren auch die Brechkaulen
eingerichtet. Hier wurde der Hanf und Flachs, den die
Bürger bauten, gebrochen, um den Winter über gesponnen
zu werden. Das Hanfbrechen wurde entweder von den be—
treffenden Familienangehörigen selbst oder durch die Hanf—
brecher, jüngere und aͤltere Frauenzimmer, besorgt. Männ⸗
liche erwachsene Personen kamen selten ungeschoren, wie man
hierorts in Saarbrücken sagt, an so einer Brechkaule vorbei.
Man wurde angehalten und es wurde einem von den
Brecherinnen mit einem Bündel schon gebrochenen Hanf oder
Flachs die Schuhe abgestäubt, hierfür mußte man ein kleines
Trinkgeld, einen oder zwei Sous, bezahlen. Waren jüngere
Weiber oder Mädchen bei den Hanfbrecherinnen, dann ging es
öfters schlimmer für den Betreffenden ab; er wurde dann