Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

Aus der bescheidenen alten Hofbuchdruckerei ist ein
modernes Druckerei-Etablissement geworden mit zahlreichen
Maschinen in den riesigen Setzerei- und Maschinensälen. Am
interessantesten ist die Setzmaschinen-Abteilung, die den alten
Handsatz verdrängt hat. Die gewaltige Entwicklung der
Technik kann man so recht an diesem Betriebe erkennen, wenn
man sich das Bild aus meiner Jugend vorstellt und mit den
heutigen Einrichtungen vergleicht. Wie sollte wohl das heutige
Geschäftsleben sich entwickeln, wenn es noch auf die damalige
Bekanntmachungsmethode durch den Polizeidiener ange—
wiesen wäre?
Ein städtische Abfuhrwesen war damals auch noch
nicht eingerichtet. Der Kehricht und die Asche mußten aber
doch ebenso wie auch heute beseitigt werden. Bei dem engen
Häuserbau hatten viele Häuser gar keinen oder nur einen ganz
kleinen Hof, der vielfach auch mehreren Besitzern gehörte. Dies
kam von einer in früheren Zeiten üblichen Sitte. Wenn
nämlich Kinder oder Anverwandte ein Haus erbten, wurde
es in manchen Fällen in so viele Teile geteilt, als Erb—
herechtigte vorhanden waren; fast der dritte Teil der älteren
Häuser von Saarbrücken war so verteilt, weil in diesem Falle
ein Besitzer das Haus nicht gut allein übernehmen und die
anderen Erben ausbezahlen konnte. Man hatte in den Zeiten,
wo die Alten solche Erbteile von Häusern machten, noch nicht
die Feuerversicherungen wie heute. Infolgedessen wollten die
Leute nicht gerne Geld auf ein solches Erbteil leihen, was
aber zur Auszahlung der Miterben, wollte ein Erbberechtigter
das Ganze übernehmen, erforderlich war.
Ich habe kleinere Häuser in den älteren Stadtteilen ge—
kannt, die heute kaum für eine Familie genügen würden, die
aber unter fünf Parteien auf diese Art geteilt waren, so daß
jeder Mitbesitzer kaum mehr wie eine Stube hatte; sogar der
Ziegenstall gehörte mehreren Besitzern.
Da es nun damals Sitte war, die Fußböden, welche durch—
weg aus breiten Dielen bestanden — schmale Fußbodendielen
kannte man noch nicht —, jeden Tag zu scheuern und mit
frischem Sand zu bestreuen, so gab es noch mehr Kehricht in
den einzelnen Haushaltungen als heute. Der Sand wurde
aus den Sandgruben am alten Hahnen, der auch der Sand—
berg genannt wurde, entnommen. Wem die Sandgruben ge—
hörten, weiß ich nicht, jedenfalls der Stadt. Niemand störte
aber die Sandentnahme. Die Sandkaulen wurden immer
—5 — fortwährend sah man Leute mit Sandkörben auf den
öpfen von den Sandgruben kommen. Die Bürger mußten
aber ihren Kehricht und auch die Asche los werden auf die
eine oder die andere Art. Es gab ja auch Häuser, die eine
            
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