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Endlich fiel denn auch dieser alte Zopf des Brückengeldes
zur großen Freude der Alt-Saarbrücker.
Polizei und Bürgerschaft standen stets im besten Verhält—
nisse zueinander. Der städtische Polizeidiener hatte außer
seinem Polizei- und sonstigen Dienste noch die nötigen Be—
kanntmachungen, sowohl die amtlichen als die für Privatleute,
auszuschellen Für eine Bekanntmachung in der ganzen Stadt
auszuschellen und auszurufen mußten die Bürger acht Silber—
groschen bezahlen. Anstatt der heutigen Bekanntmachung durch
die Zeitung, ließen die Bürger, welche etwas bekannt machen
lassen wollten, dies durch den Polizeidiener in allen Gassen
ausschellen und ausrufen, Diese Art war die beste Bekannt—
machung. Wenn die Schelle ging, lief alles vor die Haus—
türe, schon aus Neugierde, und sperrte Mund und Nase auf,
um zu hören was los wäre, sogar die Fuhrleute hörten
momentan zu fahren auf.
Die „Saarbrücker Zeitung“ war damals erst ein nur
mehrere Handflächen großes Blättchen, das dreimal in der
Woche erschien und bei der damaligen Geldknappheit der
Bürger nur wenig gelesen wurde. Auf der Rückseite waren
kaum 2/, Dutzend Annoncen enthalten. Die Zeitung wurde in
dem Hause der Familie Hofer neben der Friedenskirche,
——
Emil Rupp Nachfolger gedruckt. Das Haus war zu der
Nassau-Saarbrücker Fürstenzeit ein Pfarrhaus und gehörte
zu der damaligen reformierten Kirche, es ging später in den
Besitz der Familie Hofer über. Das Haus würde durch ver—
schiedene Umbauten, welche die jeweiligen Besitzer vornehmen
ließen, verändert und vergrößert.
In dem ursprünglichen kleinen Hause wurde damals die
„Saarbrücker Zeitung“ gedruckt. Wir Jungen standen i
an den kleinen niedrigen Fenstern und schauten zu. Zwei
Arbeiter standen an einer hölzernen Schraubenpresse, welche
roßze Aehnlichkeit mit einer Kelterpresse oder Obstpresse hatte.
Zuerst wurde die eine Seite, dann die andere gedruckt, es war
dies eine mühsame und zeitraubende Arbeit.
Welcher Unterschied zwischen damals und heute. Vor
mehreren Monaten hatten einige Herren und ich Gelegenheit,
die neue Hofersche Druckerei zu besichtigen. Der Chefredakteur
zeigte uns das Etablissement wie es jetzt neu erbaut ist, in
vossem Betriebe.
Die damalige Handpresse ist natürlich längst verschwunden.
Heute stehen gewaltige Rotationsmaschinen da, ein Wunder
der Maschinenbautechnik, die in der Stunde bis 10 000 mehrere
Bogen starke Zeitungen in dem großen Format gedruckt und
gefalzt liefern.