Hauptstraßen der Stadt; über dem linken Arme hatte er eine
messingne Säbelscheide, jedoch ohne Säbel, hängen. Ich habe
ihn nie anders als mit leerer Säbelscheide gesehen; waährschein—
lich ließ er den Säbel der Bequemlichkeit halber zu Hause. Er
war ein beliebter, vornehmer Herr, der ehrfurchtsvoll von den
Bürgern gegrüßt wurde. Früher war er Offizier bei irgend
einem Ulanen-Regiment gewesen, hatte aber wegen eines Ge—
hörleidens den aktiven Dienst quittieren müssen.
In lebhafter Erinnerung ist mir aber noch der Polizei—
diener G. der sich eigentlich für sein Amt schlecht eignete. Es
war ein Orginal. Schon seine ganze Erscheinung, die wenig
Militärisches an sich hatte, wie man es doch von einem Polizei—
diener in etwas erwarten kann, wirkte etwas komisch, zudem
hatte er Plattfüße und sprach stark durch die Nase. Wenn G.
mit der Schelle durch die Stadt ging und seine Bekannt—
machungen mit näselndem Tone vorlas, mußten die Bürger
laut lachen. Als einmal dem damaligen Bürgermeister Vor—
stellungen wegen dieses „Auge des Gesetzes“ gemacht wurden,
meinte er, daß er doch für die wenigen Taler, die für die
Stelle ausgesetzt seien, keinen Akademiker anstellen könne. Und
Recht hatte ei damit, denn die Dienste des Polizeidieners
wurden nur recht schlecht belohnt. Den jungen Leuten aber
bot der alte G. die Zielscheibe mancher Hänselei. So zum
Beispiel, wenn die jungen Burschen abends aus den Kneipen
in fideler Stimmung kamen und der alte G. seine Autorität
zeigen und jede nächtliche Ruhestörung verbieten wollte. Dann
umtanzten wohl gelegentlich die Burschen den Hüter der
Ordnung und forderten ihn höhnend auf, einen zu fangen,
was natürlich nicht gelang, da G. sehr schwer auf den Füßen
war. Später wurde G. nach Fertigstellung der Luisenbrücke
bei der Einhebung des Brückengeldes mit beschäftigt. Jeder
Fußgänger mußte nämlich für das Passieren der Brücke be—
zahlen. MNuch hier wurde G. gelegentlich gehänselt, indem über—
mütige Burschen sich so stellten, als ob sie sich um das Brücken—
geld drücken wollten. G. lief dann schimpfend hinter ihnen her.
die Erhebung des Brückengeldes war überhaupt eine unglück—
liche Idee, die in der Bürgerschaft viel Aerger und Verdruß
bereitete, namentlich unter der Saarbrücker Bürgerschaft. Die
St. Johanner hatten natürlich ein Interesse daran, daß der
Verkehr und die Fremden drüben blieben, sie hatten also ihre
Freude an dem Brückengelde, für Saarbrücken aber war der
Brückenzoll ein wirkliches Verkehrshindernis. Hinzu kam, daß
die Einnahmen aus dem Brückengeld für Saarbrücken nicht
groß waren. Wie unbeliebt das Brückengeld aber war, mag
daradus erhellen, daß es viele Leute gab, die lieber den Umweg
über die alte Brücke machten, um die drei Pfennig zu sparen.