Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

brochen begossen werden. Das Wasser hierzu wurde mittelst
Gießkanne aus dem an die Bleichwiese angrenzenden städtischen
Deichelweiher geschöpft. In diesem Deichelweiher wurden die
hölzernen, zirka 2 Meter langen Brunnenröhren — Deichel
genannt — aufbewahrt. Diese Deichel waren aus Buchen—
stammholz gefertigt, die in ihrer Längsachse durchbohrt und
mit schmiedeeisernen Muffenringen mit einander verbunden
ur de Sie mußten zu ihrer Konservierung stets im Wasser
iegen.
Aus diesen hölzernen Brunnenröhren war die städtische
Wasserleitung, welche aus dem Stadtwalde von St. Jo⸗
hann hergeleitet war und mehrere Laufbrunnen in Saarbrücken
peiste, hergestellt. Die in dem Deichelweiher liegende Röhren
dienten als Ersatz bei vorzunehmenden Reparäturen. Guß—
eiserne Röhren waren damals noch unbekannt. Sogar die
Brunnenstöcke waren damals aus durchbohrtem Stammholze
gefertigt. Städtische Laufbrunnen waren in Saarbrücken auf⸗
gestellt: je einer am Schloßplatz, an Quiens-Ecke, in der Vor—
tadt am Eingang zur Linsengasse, am Kirchenplatz (Ludwigs⸗
kirche). Später kamen noch hinzu je einer in der Talsträße
and am „Adler“. Ferner waren noch einige Tiefbrunnen, wie
der Hergottsbrunnen, aus dem der Sage nach die kleinen
Kdinder herkamen, vorhanden, bei denen das Wasser gepumpt
verden mußte. Ueber dieses Wasser klagten jedoch die Haus—
frauen, daß es zum Waschen nicht geeignet wäre, indem es zu
hart sei; es war stark kalk- und eisenhaltig. Vor jedem Lauf—
brunnen waren ein bis zwei hölzerne Brunnentröge aufgestellt.
Aus diesen Brunnentrögen konnken die Bürger sich Ableilungen
nach ihren Häusern gegen Zahlung an die Stadt herstellen
lassen, was auch vielfach geschah. Die Brunnentröge dienten
wie noch heute auf den Dörsern, den Bürgern zum Tränken des
Viehes. Auch reinigten die Bürger ihre Wäsche an den Lauf⸗
brunnen. Fortwährend waren diese Brunnentröge von einer
Anzahl von Waschweibern besetzt, welche große Bauchbütten
um die Brunnen aufgestellt hatten und dem Geschäfte des
Waschens oblagen. Wenn dann Vieh zum Tränken kam,
machten sie einen Mordsspektakel und meinten, der Brunnen
sei nur für sie vorhanden. An dem Laufbrunnen am Kirchen—
platz, woselbst damals die Soldaten exerzierten und die
Rekruten ausgebildet wurden, schimpften die Waschweiber
häufig die Unterofsiziere aus, wenn sie die Soldaten etwas
heftig drillten.
Die gesamte Aufsicht über das Brunnenwesen führten die
Gebrüder Huppert, Brunnenmacher, wie man sie nannte, in
St. Johann. Dieselben fertigten auch die hölzernen Brunnen—
röhren (Deichel), deren innerer Hohlraum durch Ausbohren
            
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