Die Kleidung des mittleren Bürger- und Handwerker—
standes bestand Werktags in einem, meistens aus grauer Wolle
gestrickten, Kamisol, welches in der Regel von den Familien—
angehörigen selbst angefertigt wurde und an jeder Seite eine
Tasche hätte, oder aus einer Weste mit Aermeln, die haupt—
ächlich die Dachdecker usw. trugen, schließlich aus einer Tuch—
mütze mit Lederschirm. Hüte kamen erst später in Mode. Des
Sonntags zog aber jeder Bürger seinen „Bandel“ an. Wochen⸗
tags trugen nur die Lehrer, die Kaufleute und Beamten,
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Beamten gehörten, „Schreiber“ genannt, und die sich etwas
besser Dünkenden den Rock. Einzelne ältere Personen trugen
noch das Tuch-Kamisol oder Wams des Sonntags. Eine Aus—
nahme machte jedoch der Schlossermeister Hild, welcher stets im
Rock ausging. Wenn einmal ein Handwerksmann an Wochen⸗
agen mit dem Rock angetan durch die Straßen ging, da reckten
die Leute die Hälse und sagten: „Was ist denn los, der N. N.
hat ja den Bandel an?“ Gewöhnlich hatten die Leute dann
beim Notar, oder auf dem Gericht zu tün, oder sie ließen ein
Kind einschreiben, wozu damals noch verschiedene Zeugen er—
forderlich waren. Nach der Einschreibung wurde im Wirts—
haus noch eine kleine Nachfeier auf Rechnung des glücklichen
Vaters abgehalten.
Die im Hause nötige Leinwand wurde von den weib—
lichen Familienmitgliedern fast durchweg selbst gesponnen, in
Fechingen usw. zu Tuch gewebt, dann später gebaucht und ge—
bleicht. Diese Stoffe, wovon Kleiderschränke und Truhen ge—
spickt voll waren, bildeten den Stolz der Hausfrau und der
Familie; denn es wurde damals als Ehrensache betrachtet, die
Brautsteuer und, was sonst überhaupt in der Haushaltung an
Leinen erforderlich war, selbst gesponnen und gebleicht zu
haben. Viele hiesige Familien haben heute noch Hausmächer—
leinen, das seiner Zeit die Großeltern eigenhändig gesponnen
und gebleicht haben.
Die städtische Blesische war auf einer großen Wiese, da,
wo heute das Land- und Amtsgericht und die Reichsbank stehen.
Auf der Bleiche stand ein Wärterhäuschen, in dem der alte
städtische Bleichermeister Tag mit seinem Hunde Tag und
Nacht Wache hielt. Während des ganzen Soͤmmers war die
Bleichwiese mit dem von den Frauen und Jungfrauen Saar—
brückens gesponnenen Getüch, welches ausgebreitet und mit
Holzflöckchen auf dem kurz geschorenen Rasen befestigt war,
belegt. Es war sehr interessant zu sehen, wie die Saarbrücker
Frauen und Mädchen, den Kopf mit einem weißen Tüchlein
zum Schutze gegen die Sonne bedeckt, dem Geschäft des
Bleichens oblagen; denn die Leinenstoffe mußten ununter—