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haben. Es existierte ein Hut- und Mützengeschäft in der Vor—
stadtstraße — Hutmacher Boucher und in der Obergasse
Kürschner Nopp —, die natürlich auch fast nur auf feste Be⸗
stellung arbeiteten, aber auch verschiedene Gegenstände, Hüte,
Mützen, Handschuhe, Hosenttäger und dergleichen auf Vorrat
hatten. Dann etablierte sich ein Geschäft mit fertigen Herren—
kleidern am Schloßberg, Ph. Schmidt. In St. Johann gab
es dergleichen Geschäfte noch nicht. Wer nun schnell irgend ein
Kleidungsstück oder ein Paar Schuhe oder Stiefeln gebrauchte,
war übel daran; denn er mußte sich diese Sachen erst anmessen
lassen und dann warten, bis der betreffende Handwerker das
Stück fertiggestellt hatte.
Handschuhe, die man nur für die Kälte trug, strickte man
sich selbst. Sie bildeten stets willkommene Weihnachts—
geschenke.
Die Kleider der Kinder waren noch einfacher als die der
Erwachsenen; Schuhe trugen fast alle, barfuß laufen war nicht
in der Mode; dagegen war es in der Umgegend vielfach Sitte.
Zur Konfirmation bekam der Junge zum erstenmal einen
schwarzen „Konfirmationsbandel“. Derselbe wurde ihm vom
Schneider schon wochenlang vorher angemessen und mit Rück—
sicht darauf, daß er lange Jahre halten müsse, von Haus aus
schon so zugeschnitten, daß er bei späteren Wachsen noch
jahrelang erweitert werden konnte. Auf den Sitz wurde wohl
auch gesehen. Die Hauptsache war jedoch daß der „Bandel“
„gut völlig“ war. Die Stoffe der damaligen Zeit, welche von
hiesigen Tuchmachern, die sie selbst anfertigten, gekauft wurden,
waren, wie man sagte, unverwüstlich und hielten, da sie
weniger benutzt wurden, als heutzutage, Generationen aus.
Sie waren stets einfarbig, ziemlich fest und vererbten sich auf
Vater und Sohn, wenn auch in etwas veränderter Form.
Im Jahre 1862 ging ich mit einem hiesigen jungen Manne,
dem heutigen Kassenschrankfabrikanten Ludwig Pabst, zur
weiteren Ausbildung als Handwerker in die Fremde. Als
wir uns morgens zur Abreise trafen, äußerte ich mein Er—
staunen, daß er einen funkelnagelneuen Anzug für die Reise
bekommen hätte, und erhielt zur Antwort: „Es war meines
Duin; Bürgerwehrrock von 1848, er ist nur verändert
worden!“
Was die Kleidung anbelangte, so kam man in dieser Be—
ziehung überhaupt in der Zeit billig weg. Man brauchte sich
nicht lange zu besinnen, was für einen Rock man anziehen
wollte; denn der gewöhnliche Sterbliche hatte meistens nur
einen Rock; dieser wurde nur Sonntags und bei feierlichen
Gelegenheiten angezogen.