37
aus der Nachbarschaft hinzu, welcher sagte, in Forbach bekäme
man zwei Stahlfedern für einen Sous; er hätteé eine Tante in
Forbach und in demselben Hause bekäme man auch die Stahl—
federn. Wir entschlossen uns, am nächsten Tage, dessen Nach—
mittag schulfrei war, nach Forbach — nebenbei gesagt, eine
Strecke von 9 Kilometern — zu laufen und für einen Sous
zwei Stahlfedern zu kaufen. Saarbrücken stand damals in
manchen Beziehungen Forbach nach. Am nächsten Nach—
mittag nach dem Essen machten wir uns bei Zeiten zu Fuß
nach Forbach auf und bekamen auch richtig für unseren Sous
zwei Stahlfedern. Da wir nun zu dreien waren, machte uns
die Teilung einigermaßen Schwierigkeiten; doch wurde der
Dritte einfach tot geteilt. Heute wird es keinem Jungen
mehr einfallen, wegen einer Stahlfeder den Weg nach Forbach
zu Fuß hin und zurück zu machen.
Wenn auch die Arbeiten nicht in der heutigen nervösen
Hast betrieben wurden, so war doch die übliche Arbeits—
zeit in Saarbrücken viel zu lang; sie begann morgens um
5 Uhr und dauerte bis abends 7 Uhr. Die Schmiede fingen
im Sommer mit ihrem Gehämmer schon vor fünf Uhr an.
Die Bauhandwerker, Maurer und Tagelöhner kamen fast
durchweg von auswärts aus den umliegenden Dörfern von
Güdingen, Kleinblittersdorf, Auersmacher, hauptsächlich aber
aus Lothringen, Spichern, Alstingen Zinsingen uswp. Fahr—
gelegenheit war nicht vorhanden. So mußten dann viele der
armen Leute des Morgens schon um 83 Uhr von zu Hause weg—
gehen, um pünktlich um 5 Uhr auf ihrer Arbeitsstelle zu sein.
Gegen 9 Uhr abends langten sie dann wieder zu Hause an.
Warmes Essen bekamen sie des Mittags auch nicht. Sie
brachten sich in der Regel einige hart gekochte Eier, Zwiebeln
und Salz mit; dies war nebst Brot ihr Essen für den ganzen
Tag. Daß sie bei diesein Leben in der Arbeit nicht allzu viel
leisteten, leuchtet ein; denn ihr sehnlichster Wunsch war immer:
„Wenn es doch nur Feierabend wäre!“
Wie schon bemerkt, entnahmen die meisten Bürger, wie in
einem Landstädtchen üblich, vieles zu ihrem LFebensüunter—
halt ihrem Feld- und Gartenbau. Auch durch die ——
bezw. das Halten von Vieh ersparten sie manches. Ihre Er—
zeugnisse verwendeten sie meistens für sich selbst. Gelegenheit
zum Verkauf war nicht viel geboten, man hätte sich dann auf
den Markt setzen müssen, was die Saarbrücker nicht taten;
warum, ist mir nicht erklärlich; es hätte dadurch mancher
Groschen gelöst werden können. Wenn die Marktpreise so
hoch gewesen wären wie heute, würden sie es sich wohl nicht
lange überlegt haben. Wer im Ueberfluß hatte, schenkte denen,