Kleinste geteilt. Die Tänzerinnen in der Oper hatten sogar
Broschen vorgesteckt, die durch elektrische Glühlichtchen be—
leuchtet wurden. Wie weit waren wir in unserer Jugend noch
von solcher Beleuchtung entfernt!
Ausgangs der fünfziger Jahren bekamen wir aus Amerika
das Petroleum. Es dauerte jedoch ebenfalls viele Jahre, bis
diese Beleuchtung ihre verschiedenen Wandlungen durchgemacht
und bis zum heutigen Stande gelangt war.
Vor dem Petroleum waren auch die sogenannten Kamphin—
lampen im Gebrauch (mit Pumpvorrichtung), welche ein etwas
helleres Licht als die Oellampen gaben.
Denken wir einmal zurück, mit welch mangelhaften und
teuerem Lichte wir uns in unserer Jugend behelfen mußten,
und vergleichen wir dies mit heute. Der Schoppen Brennöl
kostete damals sehs Silbergroschen. Heute kostet das Liter
Petroleum 20 Pfennig. Der gewöhnliche Mensch mußte des⸗
halb mit dem Licht recht sparsam umgehen. Die Beleuchtung
war ein Faktor und Schmerzenskind, mit dem in der Haus—
haltung gerechnet werden mußte. Das Dämmerlicht wurde
deshalb auch gehörig ausgenutzt. Mit welcher Sehnsucht das
Frühjahr mit seinem längeren Tageslichte von Jung und Alt
herbeigesehnt wurde, läßt sich denken. Man tröstete sich deshalb
ruch immer mit den Worten: „Es dauert nicht mehr lange,
dann werden die Tage länger und wir brauchen dann kein
Licht mehr!“
In der Schule schrieben wir in den ersten Jahren noch mit
Bänsefedern, die der Lehrer nach jedesmaligen Schreiben
zinsammelte; die Kiele wurden darauf neu beschnitten und
sorgfältig bis zum nachen Schreiben im Klassenschrank auf⸗
hewahrt. Von Zeit zu Zeit mußte dann jedes Kind zum An⸗
kauf neuer Gänsefedern einen Sous in die Schule mitbringen.
Ich weiß mich noch sehr gut zu erinnern, wie hier in Sdar—
hruͤcken die ersten Stahlfedern aufkamen. Das Stück kostete in
der Schreibmaterialienhandlung von Karl Schellenberger
hinterm Vorstadtbrunnen — wie er genannt wurde zum Unter⸗
schied von noch einem Schellenberger — einen Sous. In der
Schule waren sie jedoch noch nicht eingeführt; denn nicht jeder
hatte damals einen Sous; auch war noch ein Halter dazu er—
orderlich.
Eines Tages kam mein Schulkamerad, der jetzige Kauf⸗
nann L. F. Jolas aus der Eisenbahnstraße zu mir und sagte:
„Ich habe von meinem Onkel Pfander einen Sous bekommen,
weißt Du was ich damit mache? Ich kaufe mir bei Schellenbergers
eine Stahlfeder und stecke sie in der Schule beim Schreiben
in den Gänsekiel, dann kann man damit schreiben. Während
vir noch über den Fall verhandelten, kam ein anderer Junge