Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

4

zudem waren es ja auch nicht viele Lampen, die zu bedienen
waren.
Den vorgenannten Lampenanzünder Tag unterstützte des
morgens beim Reinigen und Füllen der Lampen steis eine
Menge kleiner Jungen, welche die mit Hel getränkten abge—
schniftenen Dochtabschnitte erhielten und sich damit die Schuhe
schmierten.
Einen Streich muß ich hierbei noch erwähnen, den eine
Anzahl Spaßmacher, die nachts in animierter Stimmung aus
der Wirtschaft „jum Eisernen Kreuz“ heimkehrten, vollführten.
Sie hatten eine Katze gaus der Wirischaft miigenommen, dann
eine der quer über die Straße hängende, bereits ausgegangenen
Laterne heruntergelassen, die Katze hineingesetzt und die
Laterne wieder hochgezogen. Die arme Katze vollführte in der
Laterne die ganze Nacht ein fürchterliches Miau-Geschrei, bis
sie gegen Morgen aus ihrer Gefangenschaft erlöst wurde.
Eine der größten Umwandlungen der Zeit hat unstreitig
das Licht, sowohl die Außen- als auch die Innenbeleuchtung
durchgemacht. In meiner Jugend hatte man noch die Blech—
oder Zinnleuchter mit Oelspeisung. Diese Lichterstöcke waren
ein guter Handelsartikel. Fortwährend sah män in der Stadt
die reisenden Häudler, welche dergleichen Lichter zum Ver—
kauf ausboten. Die Einwohner von Saarbruͤcken und St.
Johann kauften aber auch vielfach ihre Zinnlichterstöcke von
dem Tuchhändler und Zinngießer Korn an der alten Brücke,
dem Vorfahren der heütigen Firma C. Korn in der Eisen—
bahnstraße. Diese Lichter hatte man auch in Kupfer. An dem
Halse eines solchen Leuchters baumelte an einem kleinen Kett—
hen der Stocher, mit dem von Zeit zu Zeit der zurückgebrannte
„Docht“ hochgezogen wurde. Die verkohlte Spitze des Dochtes,
der Butze, wurde meistens bei gewöhnlichen Leuten mit dem
Zeigefinger und dem Daumen der rechten Hand, die zwischen
den Lippen angefeuchtet wurden, abgeknipst. Dies nanute man
das Lichtputzen oder ⸗schneuzen. Die Kerzen wurden entweder
mit der Lichtputzschere oder aber auf die vorgenannte Art
geputzt. Man nannte dies „das Lichtschneuzen“. Wenn eine
Gesellschaft Karten spielte, mußte der Mann, der paßte, das
Licht schneuzen.
Außer dem Oellichte hatte man auch noch Unschlittkerzen
(Talgkerzen), welche die Seifensieder herstellten. Später kamen
die Stearinkerzen in den Handel. Sodann kamen die Blech—
öllampen mit Klappschirm auf. Der Schirm war meistens
grün angestrichen. Dies war schon eine bedeutende Verbesse—
rung des Lichtes, man war nicht gezwungen, direkt in das
offene Licht zu sehen. Sie hatten jedoch auch ihre Schatten—
seite. Die eine Seite der Lampe nahm der Oelfüller ein, der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.