Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

Neben diesen Wirtschaften gab es noch eine Anzahl
Brauereien, die gleichzeitig einen Bierausschank hatten, also
Wirlschaft betrieben. In St. Johann über der Brücke gab es
mehr und auch größere Bierbrauereien als in Saarbrücken.
die größte Brauerei, welche aber keinen Wirtschaftsbetrieb hatte,
war“ die Brauerei Haldh in der Talstraße, heute Brauerei
Sulle Die übrigen Brauereien hatten Bierausschank. Es
waren dies die Brauerei Mohr in der Altneugasse, Pfander in
der Probsteigasse; Brand, Schloßstraße; Wahlster, Schloßstraße;
Reuther, Vorstadtstraße; Zix, Vorstadistraße; Geist am Löwen
Eisenbahnstraße); Knipper im Adler, jetzt Gebr. Heyer.
Man sieht also, daß es auch damals schon an Bierbrauereien
in Saarbruücken nicht fehlte, es waren, allerdings auch sehr
kleine darunter, die kaum mehr als ihren eigenen Bedarf
brauten, wie die Bierbrauerei von Karl Geist, dann war noch
die Bielbrauerei von Gustav Bräunig am Sensenwerk.
In fast allen Wirtschaften wurde nur Flaschenbier gereicht
und zwar dreiviertel oder ganze Quartflaschen — ein Quart —
zirka 1,12 Liter — später tauchten die getupften Schoppen—
Zläser auf und wurde dann das Bier in diesen Gläsern aus—
zeschenkt.
Das in den Wirtschaften verzapfte Bier wurde ausschließ⸗
ließ hier am Orte gebraut. Freinde Biere gab, es nicht. Die
Flaͤsche kostete 2—24 Sous. Man konnte also seinen Durst be⸗
deutend billiger stillen als heute.
Des Sonntags im Sommer spazierten die Saarbrücker
Spießbürger mit Weib und Kind nach ihren Gärten oder be—
sahen und freuten sich an ihren Felbfrüchten. Dann wurde
Rast in irgend einer Gartenwirtschaft, deren es auch ver—
schiedene gab, gemacht. An Garten⸗ bezw. Sommerwirtschaften
varen vorhanden, Bräunigs auf, den Sensenwerk, der
Schanzenberg, der Adler, Reuthers Gärtchen in der Linsen—
gasse, Brande Gärtchen, der Hexenberg und der Rotenhof,
spater kam noch Jacobs Gürtchen hinzu In der Regel trank
man ein bis zwei Flaschen Bier, und aß pro Kopf ein Kümmel⸗
brötchen dazu, dann ging man seelenvergnügt nach Hause zum
Nachlessen. Nach dem Abendbrot setzte man sich vor die Haus—
düre, zu welchein Zwecke an verschledenen Haͤusern steinerne
Sitzbänke angebracht waren. An manchen Häusern standen
ut die steinernen Pfosten, auf welche die Sitzbank oder, das
Sitzbrett abends aufgelegt und dann später nach gemachtem
Hebrauche wieder abgenommen und ins Haus getragen würde.
Zu Pfingsten, nach der Konfirmatton der Kinder (die
ginder wurden damals zu Pfingsten konfirmiert), wurde von
zielen ein größerer Familienausflug gemacht und zwar, meistens
nach der damals noch französischen „alten Bremm“. Dort
            
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