Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

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Budiken sind elegante Fleischerläden entstanden, in denen
das Publikum milt Vergnügen kauft.
Heute wird auch däs arme Schlachtvieh besser behandelt
als früher. Das Hetzen mit Hunden ist verboten. Der über
Land zum Kälbereinkauf gehende Metzgerbursche mit dem
derben“ Knotenstocke und den blutroten ledernen Hand—
manschetten, der gegen abend mit, einem oder zwei abge⸗
triebenen, & bis 0“ Tage alten Kälbchen, denen der große
hetzende Metzgerhund die Hinterbeine blutig gebissen hatte, vor
der Fleischerei anlangte, ist Gott sei Dank verschwunden.
die Wirte haben eine ähnliche Wandlung wie die Metzger
durchgemacht. Die Wirtschaften von damals waren nicht so
häufig im Verhältnis zur Einwohnerschaft wie heute. Die
meisten Wirtsstuben 8 eine sehr primitive, oder besser
zesagt, fast gar keine Betriebseinrichtung. Sie zeichneten sich
durch nichts weiteres von den anderen Stuben des Hauses aus,
als dadurch, daß Tische und Bänke, zum Teil ohne Rücklehnen,
vorhanden waren. Einige bessere Lokale waren auch ent⸗
prechend besser ausgestattet und hatten Stühle.
Mitunter war an den Fenstern in Höhe der unteren Scheibe
— damals hatte man nur Sprossenfenster, Spiegelscheiben
oder vierflügliche Fenster kannte man noch nicht — ein ge—
mustertes rotes Vorhängchen angebracht, damit man von
außen nicht direkt in die, Wirtsstube sehen konnte. Zum
Zeichen, däß das Haus ein Wirtshaus war, wurden häufig zwei
gekreuzte Blechdreiecke auf dem aufgeklappten Fensterladen
defestigt. Das Publikum, welches sich heute für solche Lokale
hedanten würde, machte damals durchaus keinen Anspruch auf
Komfort und dergléeichen, man wußte es nicht besser, in
anderen viel größeren Städten war es genau so wie bei uns.
In den Wirtschaften, mit Ausnahme des „halben Mondes“
in der Vorstadistraße, gab es tagsüber nicht viel zu tun.
detzeres Haus war die best besuchte Wirtschaft und hatte den
ganzen Tag über Gäste infolge seiner guten zentralen Lage
für den Fremdenverkehr in der eisenbahnlosen Zeit, haupt—
chlich für den von Forbach und, Gersweiler her, In letzterem
Orle befand sich damals eine der Hauptkohlengruben des Saar⸗
gebietes. Dann war am entgegengesetzten Ende in der Tal—
straße die Wirtschaft zur „Stadt Straßburg“. Hier spannten
die Fuhrleute, die den Kohlentransport von den hiesigen
Gruben nach Frankreich besorgten, aus und blieben daselbst
quch zum Teil übernacht. Aehnlich wie in der „Stadt Straß—
zurg“ spannten in der Gastwirtschaft Pflug in der Metzer—⸗
ttrahe die Fuhrleute, die den Kohlentransport über Forbach
nach Frankreich besorgten, aus. In letzterem Hause war im
Hinterbau ein größeres Zimmer, genannt Pfluge Sälchen, zu
            
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