Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

Außer dieser schwerfälligen französischen Post, die zwischen
Paris bezw. Metz und Saarbrücken verkehrte, gab es noch die
sogenannte Meilpost, ein zweispänniger Wagen, der zwischen
Frankfurt a. M. und Paris fuhr; er beförderte keine Privat—
—
Börsenpost für das Haus Rothschild. Dieser Wagen war wegen
seiner Schnelligkeit berühmt, denn er legte die Strecke Paris—
Frankfurt a. M. in 4, Tagen zurück. Für die damaligen Be—
griffe eine ansehnliche Leistung.
Sodann gab es noch die Post nach Trier und Kreuznach
und die Reit- oder Nothelferpost, die jede Nacht punkt 12 Uhr
von Saarbrücken nach Paris abging. Sie wurde von den
Vorfahren zweier hier noch existierenden bekannten ehrbaren
Familien geritten, den Staffetten-Courieren Remm und Traut.
Ferner fuhr noch eine Carriolpost von Saarbrücken nach Heus—
weiler und Lebach, welche von dem bekannten Postillon ge—
nannt „Luthe Christian“ gefahren wurde.
Mit Ausnahme eines Lohnkutschers (Hassel) — dessen Nach⸗
kommen noch dasselbe Geschäft hier betreibt — gab es sonst
keine Fahrgelegenheit. Die Lohnkutsche war aber nicht immer
zu haben; da sie meistens von den Aerzten in Anspruch ge—
nommen war. Auf dem Lande gab es noch keine Aerzte, in⸗
folgedessen waren die hiesigen Aerzte nach Auswärts, auch
nach Lothringen, immer vielfach in Anspruch genommen. Man
hatte also keine Fahrgelegenheit außer der Post; diese fuhr
aber nur nach einigen Richtungen und auch nur ein-, höchstens
zweimal am Tage. Man sieht also, mit dem Reisen war es vor
sechzig Jahren hier schlecht bestellt.
Nach Saarlouis konnte man auch mit den Lisdorfer Markt—
schiffen fahren, was auch viele taten. Die Reise mit dem Markt—⸗—
schiffe dauerte aber über einen halben Tag und hatte viele
Unbequemlichkeiten im Gefolge.
Kurze Zeit fuhr auch ein kleines Dampfschiffchen von Trier
bis Saarbrücken, es hieß „Stolzenfels“ und legte an der alten
Brücke an. Von diesem Anlegeplatz führte damals eine Treppe
von der Saar nach oben. Die Herrlichkeit dauerte jedoch
nicht lange, denn das Schiffchen blieb wegen des flachen
Wasserstandes häufig stecken, bergauf war die Strömung der
Saar stellenweise so stark, daß es mit seiner schwaächen
Maschine nicht vorwärts kam; das Unternehmen war also un—
rentabel und wurde auch bald wieder eingestellt.
Eine Gesundheitspolizei gab es in unserer Vaterstadt in
meinen Jugendjahren ebenfalls nicht, ebensowenig Vor—⸗
schriften über Aufbewahrung und Verkauf von Lebensmitteln
und dergleichen. In dieser Beziehung konnte jeder verfahren
wie er wollte. Es war überhaupt niemand da, um eine Kon—
            
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