Vor Erbauung der Eisenbahn wurden die kleinen Reisen
in die Umgegend bis Saarlouis, Forbach, Saargemünd, Neun⸗
kirchen, St. Ingbert usw. meistens auf Schusters Rappen, die
größeren dagegen durch Privatfuhren oder mit Postwagen
zuruͤckgelegt. Unter Privatfuhren darf man sich aber nicht
einen feinen Landauer denken. Es wurde meistens eine Ein—
spänner-Fuhre, gewöhnlich der Fuhrmann, der die Kohlen
anfuhr, engagiert. Er wuüsch dann seinen Wagen, legte ein
bis zwei Buͤndel Stroh als Sitze auf und die Chaise war fertig.
Lustig hallte das Posthorn, von dem Postillon geblasen,
durch die Neugasse, durch welche alle deutschen Postwagen an—
kamen. Der Postwagen, der meistens mit 4 Pferden bespannt
war und dem auch noch öfters ein zweispänner Beiwagen
folgte, fuhr nach dem Postamte am Kirchenplatz, wo der Wagen,
nachdem die Passagiere ausgestiegen waren, in eine der da—
hinter liegende Wagenremise geschoben wurde, woselbst er ge—
reinigt und für die Weiterreise geschmiert und in Ordnung ge—
bracht wurde. Die Pferde wurden in den Stallungen der
Posthalterei, Hotel zur Post bei Zix, später Guepratte, jetzt
Weinhandlung Purpur, in der Wilhelm Heinrichstraße ein⸗
gestellt; dahin begaben sich auch die Passagiere zum Essen bezw.
Uebernachten.
Mit Vergnügen denke ich heute noch daran, wie wir
Jungens im Dauerlauf hinter dem Postwagen herliefen und
die wenigen Reisenden anstierten, die ihm entstiegen; oder
auch, wenn wir an schulfreien Nachmittagen den Hahnen (itzt
Metzerstraße) hinauf bis zum kleinen Exerzierplatze GBellevue)
dem französischen Postwaägen entgegen gingen. Wir wußten
ungefähr, wann er dort oben ankam; sobald er auf der jen—
seitigen Höhe der Galgendell (Ehrental) in Sicht war, hieß
es „dahinten kommt er!“ Wenn er nun oben angelangt war
und wieder zu Tal fuhr, kniffen wir die Daumen ein und
setzten uns dahinter bis in die Stadt. Der französische Post—
wagen war ein furchtbar schweres Monstrum; er hatte noch
eine obere Etage, war also, wie man hierorts sagte „zweistöckig“
und war mit' fünf schweren Normänner Schimmeln, hinten
zwei, vorn drei, welcheé Schellengeläute trugen, bespannt.
Zunächst fuhr der Postwagen nach dem Hauptzollamte und
war durch das obere Tor in den Hof, wo damals zwischen
haupt- und Hinterfahrt eine gedeckte Durchfahrt war; hier
fand die Zollrevision statt. Nachdem diese zu Ende und das
Bepäck der Reisenden wieder aufgeladen war, fuhr der Wagen
zum unteren Tore hinaus zum „Hotel zur Post“ in der Neu—
zasse, woselbst die Pferde gewechselt wurden und die Passagiere
pu Mittag aßen. Nach dem Pferdewechsel und Mittagessen fuhr
er Postwagen über St. Ingbert weiter nach Mainz.