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Die Geschäfte bezw. Kaufläden hatten meistens keine Schau—
fenster, nur kleine vorgehängte Auslegekasten waren neben
der Tür oder vor einem Fenster angebracht, woraus man er—
sehen konnte, daß drinnen etwas zu verkaufen war. Anfangs
der fünziger Jahre fing man jedoch schon an, die Geschäfts—
häuser durch Schaufenster kenntlich zu machen. Es waren
dies der Kaufmann und Tuchmacher Ph. Schmidt am Schloß—
platze, ferner in der Obergasse und Vorstadt A. Reuther, Uhr—
macher Meiß, J. A. Maher, Seifensieder L. Zix, Hutmacher
Boucher, Karl Morgenstern, Perückenmacher Jacob, Seiler
Uhlinger und Eichelberger, an der alten Brücke EC. Korn,
Buchbinder Baum, W. Schultz, in der Neugasse (Wilhelm
Heinrichstraße) Garelly, Schriever, Uhrmacher Fritz, Omlor,
Spengler. Lay; später J. B. Müller und Witwe Koch.
Ueber dem Eingang zum Laden von J. B. Müller, in
welchem viel Tabak verkauft wurde, war ein Mohr aus Holz,
zirka 80 Zentimeter hoch, aufgestellt. Derselbe hatte eine
irdene Pfeife im Mund und einen Bündel Tabaksblätter in
der Hand; er wurde allgemein Müllers Mohrchen genannt.
Trotz der Biederkeit, in der man damals lebte, gab es doch
schon Leute, die ihre Mitmenschen hineinlegten. Ein solcher
Fall, der damals viel belacht wurde, passierte dem Inhaber
eines kleinen Kramgeschäftes. Zu dem kam eines Tagees ein
Mann und frug, ob er keine Krane zu verkaufen hätte. Gewiß
sagte unser Krämer, und zeigte ihm einen solchen. Der wäre
grade recht, sagte der Mann, was kostet denn das Stück? Der
Verkäufer nannte ihm den Preis, den der Käufer noch als sehr
billig bezeichnete; er frug, wieviel Stück Kranen haben Sie
denn? Drei Stück, sagte ünser guter Krämer. Nur drei Stück,
ja damit kann ich nichts anfangen, ich brauche mindestens
400 Stück, können sie die mir beschaffen, ich komme in zirka
10 Tagen wieder hier durch, dann werde ich sie mitnehmen.
Ich will mal sehen, ob ich bis dahin so viel beschaffen kann,
sagte der Verkäufer. Einige Tage später kam ein Händler
mit seinem Wagen hier durch, der allerhand fertige Holzwaren,
Bollen, Kartoffelstößer und dergleichen zu verkaufen hatte,
er frug auch bei unserem Krämer an, ob er keine Holzwaren
brauche. Auf die Frage des Krämers, ob er auch Kranen habe,
sagte der Mann, die haben wir auch, wieviel brauchen sie denn?
Der Händler ging nach dem Wagen, auf dem noch eine Person
saß, nachsehen, wieviel Kranen noch da wären. Er kam gleich
wieder herein und sagte, es sind gerade noch 400 Stüd da.
Sie wurden nun handelseinig, er kaufte ihm den ganzen Rest
ab. Der Käufer für die Kranen, der mit dem Händler unter
einer Decke steckte, ließ sich natürlich nicht mehr blicken—