Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

Nach Saarbrücken kam auch der General v. Hirschfeld, von
dem behauptet wurde, daß er eine silberne Nase hätte, indem
ihm seine wirkliche Nase in den Freiheitskriegen abgehauen
worden sein sollte, zur Besichtigung der hier in Garnison
stehenden zwei Eskadrons Ulanen. Der General blieb im Hotel
„Zur Post“ in der Neugasse (Wilhelm Heinrichstraße), wo er
ůbernachtete. Abends wurde ihm dann ein Ständchen von der
Kapelle gebracht. Ein Zapfenstreich fand nicht statt.
Des Sonntags nach der Kirche spielte die Ulanen-Musik
entweder auf dem Schloßplatze oder Kirchenplatze einige
Stücke. Da sie noch keine Notenständer und dergleichen hatten,
so durften die Buben, welche in der Mitte des Kreises aufge—
stellt wurden, den Trompetern die Noten halten.
Sonst war von Musik in damaliger Zeit nicht viel zu hören.
Ausnahmsweise spielte auch einmal die Bergkapelle der Berg—
direktion. Anstatt der Dutzend Bergkapellen von heute, gab
es damals nur eine Bergkapelle, welche hier in Saarbrücken
stationiert war und im Gaͤrten des alten Bergamts am Schloß—
platze ihre Proben abhielt.
Die meisten Bürger von Saarbrücken lebten damals in den
Ideen ihrer Zeit. Den Begriff, den wir heute vom Leben
haben, hatte man damals noch nicht. Die Kunde von einem
Todesfall, einer Geburt, einer Verlobung oder Hochzeit,
hauptsächlich die von einer damals zu den Seltenheiten ge—
hörenden unehelichen Geburt, ging wie ein Lauffeuer von
Haus zu Haus. Heute nimmt die Allgemeinheit kaum noch
Notiz hiervon. Man hatte damals zu dergleichen die schönste
Zeit, die Arbeit drängte nicht. Mit Ausnahme der Tuch—
macher, Kammacher und einiger verwandten Handwerke waren
die meisten Handwerker auf Bestellungen von Flick und
Reparaturen aͤngewiesen; auf Vorrat wurde nicht gearbeitet.
Die Arbeiten der Meister wurden damals so gering bezahlt,
daß, wenn das Jahr um war, nichts oder weng übrig blieb.
Heuüte kommt ein intelligenter Handwerker, wenn er einiger—
maßen Glück hat, in einigen Jahren weiter als seine Vor—
fahren in einem Menschenalter.
Einfach und bescheiden, wie die Zustände beim Handwerker,
waren sie auch beim Ladenkaufmann.
Fertige Sachen konnte man noch nicht kaufen, wenigstens
nicht hier in Saarbrücken. Kleider und Schuhe waren nicht
anders zu erhalten, als daß man sich die Sachen vom Meister
anmessen ließ und geduldig wartete, bis er sie fertiggestellt
hatte. Wer eine neue Mütze brauchte, ging zum Kappenmacher,
suchte sich den Stoff aus, dann wurde die Mütze erst ange—
messen und war in 8-10 Tagen fertig.
            
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