Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

in vielen Postkutschen und wohnte in dem alten Bergamte am
Schloßplatze. Heute dürfte man dem Staatsoberhaupte ein
solches Quartier, wo damals sich die Toilette noch im Hofe im
Hintergebäude befand, wohl nicht anbieten.
Die Stadt und die öffentlichen Gebäude hatten Festschmuck
angelegt. In der Obergasse und Vorstadt waren die Straßen
entlang Birken- und Tannenbäumchen, die dem Stadtwalde
entnommen waren, gesetzt. Wer eine Fahne hatte — das waren
zwar damals nur wenige — der steckte sie heraus. Das Berg—
amt am Schloßplatze war mit Girlanden und Fahnen ge—
——
—DDDDD
damals eine massive Brüstungsmauer anstatt des heutigen
eisernen Gitters hatte, besonders schön beleuchtet war. Auf
beiden Seiten der Brüstung waren Tonlämpchen mit Talg
gefüllt, aufgestellt. Auch waren an verschiedenen Stellen Pech—
krünze angebracht. Des anderen Tages nach der Beleuchtung
brachte ein Junge eine Masse der kleinen Tonlämpchen, die
er an der alten Brücke stibitzt hatte, mit in die Schule. Da
die Lämpchen der Stadt gehörten, nahm sie der Lehrer ihm ab,
indem er ihn auf die Ungehörigkeit seines Tuns aufmerksam
machte. Der Junge mußte die Lämpchen wieder an die alte
Brücke bringen und an derselben Stoelle auf die Mauer setzen,
von wo er sie weggenommen hatte. Damit er die Lämpchen
auch wirklich hintrug, wurde ihm ein anderer Junge als Be—
gleiter mitgegeben. Als die Jungen an der Brücke ankamen
und ihre Laͤmpchen wieder auf die Mauer stellen wollten, war
man gerade beim Einsammeln der Tonlämpchen. Man hatte
auch schon bemerkt, daß so viele fehlten. Die Jungens muͤssen
sich wohl nicht verständlich ausgedrückt haben; sie kamen in
die Schule zurück, beide rieben sich ihre Kehrseite. Der Dieb
und der Begleiter, welcher unschuldig war, jeder hatte eine
gehörige Tracht Prügel an der Brücke bekommen
Auf dem Schloßplatze vor dem Bergamte waren die hier
in Garnison stehenden zwei Eskadrons Ulanen mit dem
Trompeterkorps aufgestellt; die Musiker spielten. Der König
stand an einem Fenster über dem Mittelportale und verneigte
sich gegen die am Schloßplatze angesammelte Bürgerschäft,
welche ununterbrochen „Hoch“ rief; wir Jungens riefen kraͤftig
mit. Alles jubelte und wandelte auf dem damals noch freien
Platze auf und ab bis tief in die Nacht hinein.
Das war ein Ereignis, so etwas hatte Saarbrücken noch
nicht gesehen. Am auderen Morgen war die ganze Stadi
wieder auf den Beinen, der König ging zu Fuß bis an die
alte Brücke, dort stieg er in den Wagen und fuhr fort.
            
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