Hauptsteueramte gegenüber. Ich habe als Schuljunge diesen
Kirchhof schließen und den jetzigen, der allerdings während
dieser Zeit bereits —, Dutzendmal vergrößert wurde, eröffnen
helfen. Der Schluß des alten und die Eröffnung des neuen
Kirchhofes wurde mit einer großen Feier begangen, an der die
ganze Bürgerschaft teilnahm.
Das Amt der Totengräbers versah der Küster der Ludwigs⸗
kirche, oder wie er damals genannt wurde, der alte Glöckner
Müller, der Großvater des heutigen Küsters Köhl von der
Ludwigskirche, im Nebenamte, welches Geschäft er bei der
geringen Bevölkerung auch bequem mitversehen konnte.
GBlöckner Müller war ein kleiner freundlicher Mann, mit dem
sich die Buben gut verstanden. Um zwölf Uhr halfen ihm
immer eine Anzahl die Mittagsglocken läuten, wofür sie dann
am Schlusse am Seil einigemal sich in die Höhe schnellen
lassen durften, was stets ein Hauptvergnügen für die
Jungen war.
Wie wenig Verkehr zu der Zeit hier vorhanden war, konnte
man daran sehen, daß der Schloßplatz, trotzdem er mit kleinen
Steinen gepflastert war, zum Teil —— grün mit Gras be—
wachsen war und infolgedessen den Gänsen der Nachbarschaft
als Weideplatz diente. Aber auch aus entfernten Stadtteilen
marschierten die Gänse zur Weide nach dem Schloßplatze. Die
Gänse eines Handwerksmeisters am Lüdwigsplatz marschierten
jeden Morgen, nachdem sie aus dem Stalle gelassen waren,
im Gänsemarsche durch die Vorstadt und Obergasse nach dem
Schloßplatze zur Weide und denselben Weg später wieder
zurück, ohne daß ihnen je ein Unfall passiert wäre. Niemand
achtete darauf. Sie hielten ihre Zeit so genau inne, daß man
sich sogar danach richten konnte. Wenn sie so hintereinander
durch die Straßen gingen, sagten die Leute öfters: „Ist es denn
schon so spät, da gehen ja schon Büche Gänse nach Hause.“
Zur Zeit meiner Erzählung kannte Jeder den Anderen
in Saarbrücken und St. Johann. Sogenannte Fremde gab es
fast nicht, sie waren sehr selten. Ausnahmsweise sah man wohl
einen fremden Reisenden oder sonst jemanden, der sich nach
hier verirrt hatte. Wenn man heute durch die Stadt, nament⸗
lich die Hauptgeschäftsstraße geht, so kennt man von hundert
Personen keine zehn mehr; anders damals. Wenn einem
jemand begegnete, den man nicht kannte, so sah man sich ver⸗
wundert um und frug seinen Nächsten: „Wer mag denn der
sein, den kenne ich“ ja gar nicht, daß muß gewiß ein
Fremder sein.“
Eine angenehme Abwechslung brachte in das ische
Alltagsleben ein Besuch des Koͤnigs Friedrich Wilhelm IV.
Anfangs der fünfziger Jahre. Er kam von Trier mit Gefolge