Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

Kirche angesammelten Kinder beiderlei Geschlechts, aus vollem
Halse: „Strohpat hat nix im Sack, als e bische Schnubtuwack.“
Hierauf griffen die Paten in ihre hintere Bandel- oder Rock—
iaschen, welche zu diesem Zwecke schwer mit Zuckerbohnen,
allerdings nicht bester Sorte, denn sie wurden zu diesem
Zwecke eigens von dem Zuckerbäcker Brach am Anfang der
Vorstadtstraße angefertigt, gefüllt waren und warfen sie unter
die Kinder. Diese stürzten sich, eins über das andere purze“nd,
drauf los und balgten sich darum. Dieses Schauspiel wieder⸗
holte sich auf dem ganzen Wege, den der Kindtaufszug zurück—
zulegen hatte. Wenn der Zug an einem Wirtshause vorbei—
kam, so rissen die darin befindlichen Gäste die Fenster auf
und schrien auch „Strohpat usw.“, dann wurden ihnen eben—⸗
falls einige Hände voll Zuckerbohnen um die Ohren geworfen.
Wenn jemand starb, so wurde die Todesnachricht und der
Tag der Beerdigung nicht in der Zeitung bekannt gemacht,
denn die Zeitung wurde der Kosten halber nicht so viel im
Verhältnis wie heute von den Bürgern gehalten, sondern der
Tag der Beerdigung wurde durch besondere Leichenbitter
von Haus zu Haus angesagt. Der Leichenbitter hatte die
Pflicht, in jedes Haus zu gehen.
Am Tage der Beerdigung wurde der Sarg von Bekannten
und guten Freunden oder Altersgendisen, meist Mit—
konfirmanden des Verstorbenen, auf der Schulter mittelst einer
Bahre nach dem Kirchhof getragen. Die Traͤger mußten hierbei
in doppelter Anzahl vorhanden sein, weil unlerwegs, je nach
der Schwere des Toten, oft mehrmals abgewechselt werden
mußte. Leichenwagen gab es damals noch nicht. Manche
Familien hatten hierbei ihre liebe Not, acht geeignete Träger
zusammen zu bringen; denn sie mußten auch in der Graüße
einigermaßen zusammen passen, weil sonst die Last zu un—
gleich verteilt war, auch kamen die zu Trägern bestimmten
Personen öfters selbst in Verlegenheit; abschlagen durfte man
diesen Dienst ohne genügende Entschuldigung aber nicht.
Später wurde dieses veraltete Verfahren bei Beerdigungen
abgeschafft. Es wurde ein städtischer Leichenwagen angeschaäfft
und auch städtische Leichenträger engagiert.
Nach der Beerdigung gingen die Verwandten und Be—
kannten wieder nach der Wohnung des Verstorbenen zum so—
genannten Leichenimbiß. Wenn nicht ein vollständiges Essen
hergerichtet war, dann gab es Kaffee und Wein und Speck—
kuchen. Dieser Leichenimbiß artete bei gewissen Leuten zu—
weilen in eine solenne Kneiperei aus. Heute kennt man diesen
Brauch kaum noch.
Der Kirchhof war früher viel näher bei der Stadt, da, wo
jetzt die Dragonerkaserne an der Vorstadtstraße steht, dem
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.