Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

Die Herrenallee mit den sieben Herrengärten war der
frühere fürstlich nassauische Gemüse- und Obstgarten, er er⸗
treckte sich von dem Schloßgarten bis an die Zaͤhringerstraße.
Er wurde später in sieben große Gärten, die durch Lattenzäune
getrennt waren, eingeteilt und verkauft. Vorn am Eingang
zur Herrenallee, vor dem jetzigen Albert Korn'schen Hause, war
ein hohes Lattentor angebracht, das abends um 9W Uhr ge—
schlossen wurde. Die Besitzer der Herrengärten hatten Schlüssel
dazu. Die Fläche der Spichererbergstraße bis an die Talstraße
hörte nicht zu den Siebenherrengäͤrten. Dieser Teil lag mit
der Talstraße in einer Ebene, am unteren Teil war er durch
eine Futtermauer abgeschlossen. Vom Fuße derselben führte
eine schmale Treppe nach dem oberen Teil, von wo ein öffent—
licher Durchgang nach der Talstraße war. Auf diesem oberen
Teil betrieb der Seilermeister Meyer eine Seilerbahn. Da wo
heute das Knappschaftsberufsgenossenschaftsgebäude erbaut ist,
stand früher die Hartung'sche Baumwollspinnerei. Sonstige
Gebäude, außer kleinere Gartenhäuschen, waren nicht vor—
handen.
Mit der Bebauung der Siebenherrengärten wurde Aus—
gangs der fünfziger Jahren begonnen. Im Jahre 1859 wurde
das erste Haus, Bergrat Lüttke gehörend, errichtet. Das Haus
gehört heute Kommerzienrat Roth. Im Jahre 1864 wurde das
Zivil-Kasine erbaut. Sodann wurde die Spichererbergstraße
bis zur Talstraße angelegt und auch bald darauf bebaut. Die
übrigen Häuser auf dem genannten Terrain sind viel später
dann nach und nach erstanden.
Saarbrücken erfreute sich auch schon seit langen Zeiten eines
Theaters. Dasselbe befand sich in der Talstraße in dem abge—
brannten Stallgebäude der Brauerei Stille am Aufgange nach
dem Reppersberge, unter der Leitung des Direktors Kramer
dem Verfasser des Theaterstückes »Das Gänsegretel von
Fechingen“, das heute noch gelegentlich auf unseren Bühnen
aufgefuͤhrt wird. Es wurden Schauspiele und Opern gegeben.
Die Einrichtung, Beleuchtung sowie die übrige Ausstattung
und was sonst zu einem Theaterbetriebe gehört, war jedoch sehr
einfach. Trotzdem wurde das Theater von den Saarbrücker
und St. Johanner Bürgern, allerdings zu sehr mäßigen Ein—
trittsgeldern, gut besucht und kam auf seine Rechnung.
Zur Winterszeit, wenn der Deutschmühlenweiher zuge—
—
Kreuzriemen und Hinterkappen auf der Eisfläche Schlittschuhe,
d. h. nur die männliche Jugend. Die Mäödchen liefen zu da—
maliger Zeit noch nicht Schlittschuhe mit Ausnahme eines
einzigen, worüber die Saarbrücker nicht wenig erstaunt waren,
sie sagten ihm sogar nach, es könnte auch schwimmen, etwas
            
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