Saarbrücker, in die Flucht geschlagen wurde. Sehr oft auch
wurde der Kampf durch den Ruf „Ihr Buben, da hinten
kommt der Polizeidiener!“ unterbrochen, worauf beide Parteien
in wilder Flucht Reißaus nahmen. Der Krieg war dann für
diesen Tag beendet. Des anderen Tages wurde dann in der
Schule renommiert, jeder wollte natürlich der tapferste ge—
wesen sein.
Die Kinder des Mittelstandes in unserer Vaterstadt ver—
lebten keine so rosige Jugend, wie die der heutigen Generation,
wo ein gewisser Wohlstand unter der Bürgerschaft herrscht. Sie
sind in viel dürftigeren Verhältnissen aufgewachsen. Die Eltern
konnten für ihre Erziehung nicht so viel aufwenden wie heute.
—Ar
lauter artige Musterknaben. Die Form war ihnen meistens
Nebensache, doch wohnte Mut und Kraft und ein guter Kern
in ihnen. Eine Verwahrlosung der Jugend, wie man heute
vielfach bemerken kann, kannte man damals nicht.
Noch sehe ich im Geiste die tapferen lokalpatriotischen
Brückenkämpfer von damals. Viele sind nicht mehr, ein Teil
ist in den Kriegen 1866 und 1870/71 fürs Vaterland gefallen.
Es leben aber auch noch viele unter uns. Sie befinden sich zum
Teil in ehrenvollen Bürger- und Beamtenstellungen. Mögen
diese Zeilen, wenn sie ihnen zu Gesicht kommen, sie an ihre
ehemalige Heldentaten und Jugendzeit erinnern.
Von Zeit zu Zeit kam gelegentlich ein Wachsfigurenkabinett
und dergleichen nach Saarbrücken und wurde gewöhnlich auf
dem Schloßplatz aufgestellt. Es kam auch einmal eine kleine
Menagerie mit lebenden Tieren. Ich erinnere mich noch ganz
genau, mit welchem Erstaunen ich damals den ersten Löwen,
einen großen alten Bären, der mit einer eisernen Stange ge—
kitzelt wurde, damit er durch sein Schreien das Publikum von
außen anlocken solle, sowie noch einige andere wilde Tiere,
die ich bisher nur aus Bildern kannte, in lebender Gestalt vor
Augen sah.
Ab und zu trat auch ein Seiltänzer auf. Später kam ein
wirklicher Zurkus — Witwe Reimschuͤssel — der sein Zelt auf
der Wiese an der alten Brücke in St. Johann, wo sich die
heutige Gärtnerei Huppert befindet, aufschlug.
In späteren Zeiten wurde in Saarbrücken in dieser Be—
ziehung immer mehr geboten. Im Jahre 1862 kam schon ein
rößerer Zirkus, Suhr & Hüttemaun, nach hier, der einige
* —
üntergegangen und mit Mann und Maus ertrunken ist. Dieser
Zirkus wurde auf dem Güssefeld'schen Zimmerplatze in der
Herrenallee errichlet.