Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

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sich dabei den Mund verbrannte. Eine Orgel oder sonstige
Musik gab es nicht. Das Antreiben des Karussells wurde
von den Jungen selbst besorgt. In der Mitte des Holz—
gerüstes lief an jedem der vier Querbalken ein Junge, und
wenn dann einige Fahrten beendet waren, so durften die
Jungen, die gedrückt hatten, zur Belohnung einmal auf—
itzen. Die Jungens schlugen sich um diese zweifelhafte Ehre;
es ging ihnen natürlich nur darum, einmal auf einem
Karussellpferdchen herumzureiten. Die Fahrt kostete einen
Sous, den natürlich nicht jeder Junge hatte. Der Besitzer
schrie fortwährend: „Als herbei, ihr Buben, heute gehts ums
Geld und morgen umsonst!“ —
Auf dem Schanzenberg, der noch heute bestehenden Wirt—
schaft, die damals der alte „Babe Siebert“ — wie ihn der
Volksmund nannte — inne hatte, war ebenfalls im Sommer
manchmal eine Kirmes mit Gartenbeleuchtung, die aber einen
besseren Eindruck machte als die vorgenannte. Sodann hatten
wir noch die St. Arnualer Kirmes, die sogenannte „Darler
Kirb“; eigentlich kann man sagen: es war die Saarbrücker
Kirb. Diese erfreute sich schon damals großer Beliebtheit bei
den Saarbrückern, hauptsächlich der tanzliebenden Jugend.
Für die jüngere Generation waren einige Zuckerstände auf—
gestellt. In späteren Jahren kam noch ein Karussell hinzu.
Meistens war noch eine gräßliche Mordgeschichte vorhanden,
wozu der Text gesungen wurde; das Publikum sang dabei
häufig kräftig mit. Auf den auf Leinwand gemalten gräßlichen
Bildern floß das Blut in Strömen, hauptsächlich im letzten
Akte, wo die Räuber und Mörder hingerichtet wurden. Die
Malstatter Kirmes wurde mehr von den Einwohnern von
St. Johann besucht.
Die Fastnacht wurde in Saarbrücken zu damaliger
Zeit auch schon gefeiert. Schon in den vierziger Jahren des
vorigen Jahrhunderts hatte sich eine Karnevalsgesellschaft
unter dem Namen „Momus“ gebildet, die in der Restauration
des vorgenannten „Babe Siebert“ in der Wilhelm Heinrich—
straße ihren Sitz hatte. Die Wirtschaft hieß „ßZum Verdruß“.
Man wüßte zwaͤr noch nichts von dem Prinzen Karneval und
seinem Gefolge. Der zog erst später in Saarbrücken ein; wenn
ich mich rechtf erinnere, zurr erstenmale im Jahre 1887. Er
wurde mit großem Pompe gefeiert. Den Abschluß bildete ein
großartiger Maskenzug. So was hatte Saarbrücken noch nicht
gesehen, man sprach noch lange davon. Vor dieser Zeit wurde
die öffentliche Fastnachtsfeier von den Schneidergesellen des
Meisters Schöffler am Schloßplatze und den Schüstergesellen
des Meisters Beer und André aus der Vorstadtstraße besorgt.
Selten beteiligten sich andere Handwerksgesellen daran. In
            
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