Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

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zu treiben. Die den Kreis bildeten, hatten die Pflicht, dieses
aͤbzuwehren, indem sie die Kugel mit dem Stocke abschlugen, so
daß sie oft weit abflog, wobei sie riefen: „Prokokel fuͤr mei
Kutt.“ Der Treiber mußte sie immer wieder beitreiben. Ge—
lang es dem Treiber, die Kugel in eins der Löcher der, Mit—
spielenden zu bringen, so war er erlöst und der Betreffende
mußte nun den Treiber spielen. Dann war noch ein Spiel
„Reiter dü Ball“; hierbei mußte die Hälfte die Pferde sein
bie anderen saßen diesen auf dem Rücken. Einer der Auf—
gesessenen warf einen Ball, worauf sämtliche Aufgesessene ab—
prangen und mit denen, die Pferd gespielt hatten, den Ball
zu erhaschen suchten. Kam der Ball in die andere Hälfte,
so durfte diese aufsitzen, andernfalls mußten sie noch Pferd
sein usw. Dann wurde noch Kontrebandches gespielt. Ein
Teil waren die Garden (Grenzaufseher), der andere die
Schmuggler. Die letzteren, welche irgend einen kleinen Gegen—
stand am Körper versteckten, rückten auf Schleichwegen an
uind wurden von den Garden abgefangen, nach dem Sammel—⸗
platz geführt und untersucht. Die Kunst bestand nun darin,
den Gegenstand so geschickt zu verstecken, daß die Garden
schließlich erklärten, er hätte nichts; wenn er nun doch etwas
borzeigen konnte, wurde er Gard und der Andere Schmuggler.
Ein beliebtes Spiel war das Bilderstöpselwerfen. In der
Schreibmaterialienhandlung von Karl Schellenberger hinter
dem Vorstadtbrunnen kauften sich die Jungen einen Bogen
Stöpselbilder. Die Bildchen hatten die Größe von zirka
3 Zentimeter, auf einen Bogen ging also eine ganze Masse,
sie wurden auseinander geschnitten, dann wurde von jedem
Jungen so ein kleines Bildchen unter den Korkstöpsel gelegt
und aus einer gewissen Entfernung mit einem kleinen runden
Metallstück, meistens von Blei — Wurfblei genannt — oder
auch, wer sich's leisten konnte, mit einer Doppelsous danach
geworfen; derjenige, der den Stopfen beim ersten Male um—
geworfen, bekam die Bildchen, gelang ihm der Wurf nicht,
kam der Zweite an die Reihe usw.
Nicht minder war bei den Jungen das Klickerspielen,
Klicker rubeln, beliebt. An einem der schrägen Kellerhälse,
wo man von außen nach dem Keller ging, wie es damals
noch vielfach Sitte war, wurde von einer bestimmten Stelle
abgerubelt, einer um den anderen kam daran und zwar so
lange, bis ein abgerubelter Klicker einen der bereits an der
Erde liegenden berührte, dann hieß es allgemein „hat's“; der⸗
jenige, welcher dann gerade gérubelt hatte, bekam sämtliche
Klicker, die im Spiel lagen. Auch eine Art Irniiedohten
wir damals schon, wir nannten es „Tenné spielen“. Anstatt
der Bälle hatten wir Holzstücke, die in der Mitte dicker waren
            
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