war, daß sie einen Pfosten mit einem Brettchen daran, auf dem
„Oeffentlicher Badeplatz“ stand, aufstellen ließ.
Die Jugendspiele aus der damaligen Zeit find zum
Teil noch erhalten. Die Jungens spielten während der schul⸗
freien Nachmittage Räuber und Gendarmen vor der Stadt.
In der Stadt wurde ein beliebtes Verstecken oder Livre ge—
Pielt. Hierbei wurde einer durch Abzählen, wobei man mit
„Ene, dene, durze“, anfing, ausgelost, der den Anschläger
bezw. Aufpasser machen mußte. Seine Aufgabe war, die
Uebrigen, die sich in Hausfluren, Höfen und hinter den vor—
pringenden Treppen verborgen hielten und welche versuchten,
ich unbemerkt hervorzuschleichen, aufzusuchen und vor dem—
selben den Anschlagepac der Potte genannt wurde, zu er—⸗
reichen. War der Anschläger eher an dem Potteplatz, so rief
er, indem er mit der flachen Hand an die Wand anschlug:
„Eins, zwei, drei, livre für den und den.“ Wenn dagegen die
Versteckten zuerst am Potteplatz waren, so schlugen sie mit der
flachen Hand dreimal an die Wand und riefen: „Livre für
mich.“ Wer nun zuerst von dem Aufpasser bezw. Anschläger
entdeckt und vor ihm angeschlagen wurde, der mußte dessen
Stelle einnehmen. Dieses Spiel wurde später auch von den
Mädchen aufgenommen. Anfangs spielten es nur die Knaben.
Nach der Schulzeit im Sommer spielten Jungen und
Mädchen auf dem Kirchenplatz vor und hinter der Ludwigs—
kirche Nachlaufsen und Fangen. Dieser Platz wurde allgemein
nur der Kinderspielplaß genannt. Die Mädchen spielten fast
nur Fangen und auch in mäßigem Umfangeé Ballspiele mit
selbst angefertigten Bällen, denn die Gummibälle waren noch
nicht erfunden. Die Bälle waren manchmal sehr hübsch mit
hunter Wolle umstrickt. Großes Herzeleid entstand, wenn die
Bälle in einen der eeben Brunnentröge des damals auf dem
Ludwigsplatz stehenden Laufbrunnens fielen, noch größer aber
wenn sie in den heute nicht mehr vorhandenen Wasserbassin,
Springbrunnen genannt, gerieten. Die Jungen kletterten dann
heldenmütig über das eiserne Gitter und fischten sie mit
einem Stock wieder heraus. Für die Knaben gab es noch ver—
schiedene Spiele wie „Hussau“, ein Spiel, das heute aus der
Stadt verschwunden ist, auf dem Lande aber noch gespielt
wird. Zu diesem Spiel stellten sich die Kinder in einem
Kreise auf, jeder war mit einem starken „Hussaustock“ be—
waffnet und J sg vor den Füßen eine Vertiefung, Kutt
genannt, in den Erdboben, mit Ausnahme von Einem, der sich
ußerhalb des Kreises befand. Zum Spiel gehörte außerdem
noch eine Holzkugel oder ein ähnliches Ding von Holz, die
Hussau genannt. Der außerhalb des Kreises Stehende war
der Treiber. Er versuchte die Holzkugel in eins der Löcher