hauptsächlich in Erinnerung, den wir nur den „Lanzen⸗
louischen“ nannten. Es war kin schon älterer aber gutmütiger
Mann. Wir standen alle auf „Du“ mit ihm und waren nicht
wenig stolz, einen so alten Mann duzen zu dürfen; er war
aber auch jedem, der ihn ansprach, behilflich und gefällig; fort⸗
während hieß es: „Louischen, sieh mal, was an meiner, Angel
ist“ und dergleichen; wenn uͤberhaupt bei den vielen Buben,
die immer da standen, an der Angel etwas nicht in Ordnung
war, dann hieß es: „Geh' zum Louischen, der machts Dir
wieder!“ Dabei hatte er ein ganz besonderes Glück im Angeln;
die Fische und Fischchen bissen nur so bei ihm an. Er ver—
wandte eine ganz besondere Art von Angelhaken ohne Wider—
haken, die er selbst aus Nähnadeln verfertigte, und, wenn man
ihm gut zusprach, das Stück für einen Pfennig verkaufte.
Diese Angelhoken nannten wir Jungens „Louischensnadeln“;
ich habe aber nicht bemerkt, daß wir mit ihnen mehr Fische
angelten als mit Kaufnadeln, wie die gewöhnlichen Angel—
haken von uns genannt wurden.
Ein Hauptvergnügen für uns Kinder war es auch, kleine
flache Steinchen, deren am Ufer eine Unmasse lagen, flach über
den Wasserspiegel zu werfen, so daß sie mehrmals aufschlugen.
Dies nannte man „Hähnchen machen“, und zwar taten wir
dies hauptsächlich am Salzbock, der Stelle, wo früher vor Er—
bauuug der neuesten Saarbrücke die Fähre war und wo heute
unter den großen Silberpappelbäumen die Pensionäre und
andere Leuté auf den daselbst aufgestellten Ruhebänken sitzen.
Der öffentliche Badeplatz für Saarbrücken war unterhalb
der heutigen, damals noch nicht erbauten, Brücke zwischen der
Eisenbahnstraße und Viktoriastraße, da, wo jetzt der Saar—
hafen sich befindet, unterhalb der Einmündung des Fischbaches
in das Saarbecken. Das jetzige Hafenbecken ist das frühere
alte Saarbett; denn die Saar maächte an dieser Stelle eine
starke Krümmung. Hier tummelte sich im Sommer die liebe
männliche Jugend, plätscherte im Wasser und übte sich im
Schwiminen, und zwar ohne Schwimmeister. Die Saarbrücker
Jugend konnte fast ohne Ausnahme mit 10—12 Jahren regel⸗
recht schwimmen; ich habe keinen gekannt, der eine Ausnahme
machte. In Ermangelung eines Sprungbrettes bauten wir
uns aus Rasenstückeñn, die wir vom Ufer und von der Wiese
entnahmen, Pritschen, wie wir sagten, in die Saar und zwar
große und kleine; da wollte nun jeder seine Bravour zeigen,
und diejenigen waren die Hauptkerls, die mit einem großen
Anlauf kopfüber von der großen Pritsche in die Saar
sprangen. Für die kleineren Kinder gab es unterhalb dieses
Badeplatzes noch eine Badestelle; es war dies der sogenannte
„heiße Sand“ mit der Insel. Es war eine kleine Einbuchtung