Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

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Schulter zur Feldarbeit wandern, aber stets mit vorgebundener
Arbeitsschürze, dem Symbol des Handwerks. Vielfach mußte
der Lehrjunge auch mit auf dem Felde arbeiten. Es gab da—
mals tüchtige und durch lange Wanderjahre in der Fremde
vorzüglich geschulte Handwerksmeister. Die meisten hatten
mehrere Jahre in Paris gearbeitet, einzelne sogar in Moskau,
Wien usw. Selbst bis Algier und Aegypten wurden einzelnée
derschlagen. In Saarbrücken fehlte es den Meistern leider
häufig an genügender Beschäftigung.
Wölfe gab es damals in hiesiger Gegend noch viele, sie
kamen aus dem Warndt, den Wäldern von Spittel und
Karlsbrunn. In der Karlsbrunner Oberförsterei wurden zur
Winterszeit immer welche geschossen. Sie kamen im Winter
auch in unsere Wälder und wurden hier verfolgt. Noch in
späteren Jahren schoß der Rittermeister v. Luck von den
7. Ulanen im Stiftswalde in der Nähe des Forsthauses einen
großen Wolf. Dies war wohl der letzte, der in unserer un—
mittelbaren Nähe erlegt wurde. Aber in der Gegend von
Differten wurden auch später noch alljährlich Wölse gejagt.
Man sagt, daß der Förster des Hofgutes Linslerhof Jubiläum
—A0D
Falle gefangen hatte, gefeiert hätte.
Die Saar, damals noch nicht kanalisiert, führte ganz
klares Wasser, so daß man vielfach bis auf den Grund sehen
konnte. Sie war auch nicht tief, und man sah deshalb an
manchen Stellen, hauptsächlich zwischen Saarbruͤcken und St.
Johann, da, wo die Marktschiffe anlegten, und am Salzbock
die Fische im Wasser schwimmen. Das Wasser war so klar,
daß oberhalb der Brücke, wo durch die Schiffahrt keine
Störung mehr stattfand, sich sogar Forellen in der Saar be—
fanden. Damals war die Saar noch sehr fischreich; wer Zeit
und Lust hatte, angelte, eine Gebühr dafür wie heute wurde
noch nicht erhoben. Industrielle Werke, die die Gewässer ver—
anreinigen, gab es nicht, weder die Saar aufwärts noch ab—
värts. Wo heute das großartige Burbacher Hüttenwerk steht,
stand nach der Saar zu eine einsame Mühle. Nördlich an der
Straße Malstatt —Luisenthal lag das kleine Dörfchen Burbach,
zu jener Zeit noch ohne Kirche.
Im Sommer war die Saar teilweise, hauptsächlich da,
wo heute noch die Marktschiffe anlegen, so wenig tief, daß die
größeren Saarbrücker Jüngens mit aufgeschürzten Hosen
durchwaten konnten, was ich selbst öfters getan habe. Diese
Stelle war auch der Hauptangelplatz für uns; nach Schulschluß
oder an schulfreien Nachmittagen stand stets eine ganze Reihe
don Jungens mit der Angel am Ufer; aber auch Erwachsene
heteiligten sich an dem Sport. So ist mir noch ein Mann
            
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