Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

nahmen sich sehr ungeschickt und konnten auf dem Heimweg
hre Ställe nur schwer finden.
An Weideland für das Hornvieh fehlte es nicht. Die letzten
Häuser der Stadt waren nach Norden, in der Richtung der
Eisenbahnstraße das Haus von L. Sander, dann bildeten den
Abschluß der Stadt nach dieser Richtung, die Post, Strantze
Haus und das auf der linken Seite stehende größere Schulhaus.
das kleinere Schulhaus rechts war noch nicht erbaut. Auf
diesem Platze hatten die Bäcker ihre Holzstapel stehen. Nach
St. Arnual zu bildete die Brauerei von Stille, nach der Süd⸗
seite nach der Nordseite die Lacklederfabrik von Richard und
August Korn und nach der Vorstadt zu die Brauerei zum
Adler, jetzt Gebr. Heyer den Abschluß der Stadt. Dahinter
erstrecken sich Gärten und Wiesenland, den Saarbrücker
Bürgern gehörend.

Die Kühe wurden auf die Wiesen in der Gegend der
heutigen Hohenzollern- und Kronprinzstraße getrieben. Waren
sie dort auf ihrem Weideplatze angekommen, so wurden aus
dem Hirtenhaus die Stiere von den Hirten abgeholt und der
derde zugetrieben, wobei einzelne beherztere größere Jungen
assistierten. Die kleineren und furchtsamen Jungen flüchteten
während dieser Zeit auf die Kirchhofsmauer oder kletterten
auf die Holzstöße, die die Bäcker und Töpfer in der Nähe auf⸗
gestapelt hasten. Waren die Stiere bei der Herde, dann war
keine Gefahr mehr für die Kinder vorhanden. Es sei hier noch be—
merkt, daß sich der Kirchhof damals dem Hauptzollamte gegen⸗
über befand. Abends, bevor die Herde heimgetrieben wurde,
hrachte man die Gemeindestiere auf dieselbe Weise nach ihren
Stallungen in das Gemeindehirtenhaus, das in der Gers—⸗
veilerstraße in der Nähe des heutigen Dellengartenschulhauses
stand. Daselbst waren auch einige Zuchtböcke untergebracht;
denn viele arme Leute hielten sich anstatt Kühe Ziegen.

Die meisten Bürger hatten damals einen kleinen Viehstand.
Auch wenn sie nicht alle eigene Häuser hatten, so besaßen sie
doch irgend welchen Grundbesitz, Garten oder Ackerland, das
sie zu ihrem Nutzen bebauten. Da noch keine Industrie vor—⸗
handen war, so sah es mit dem Handwerk und seinem „gol⸗
denen Boden“ in Saarbrücken grade nicht glänzend aus. Viele
Handwerker. man kann sagen die meisten, arbeiteten ohne
Besellen nur mit einem Lehrjungen, was für den Lehrjungen
von großem Vorteil war; dadurch lernte er etwas tüchtiges.
Da die Handwerker sich meist mit Flickarbeit beschäftigen
mußten, weil Neubauten nur selten ausgeführt wurden, so
waren sie infolgedessen nicht immer voll beschäftigt. Häufig
sah man sie daher mit der Sense oder dem Rechen auf der
            
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