vorderste sein wollte, mußten die Straßenpassanten geschickt
ausweichen, um nicht umgerannt zu werden. Zu verwundern
war, daß jedes Tier der Herde, die viele hunderte zählte, ohne
Besinnen direkt auf seinen Stall zurannte und sich nie verirrte.
Einzelne Bürger und Schweinezüchter, die grade nichts
zu tun hatten, spazierten nachmittags nach den drei Eichen,
wo der Schweinehirt meistens mit seiner Herde unter dem
Schatten der mächtigen Eichen Mittagsruhe hielt und wohin
ihm seine Angehörigen in der Regel das Mittägessen brachten.
Der genannte Mühlenbachs Jakob hatte einen Sohn, der bei
ihm in der Lehre war und den er auch zu seinem einstigen
Nachfolger bestimmt hatte. Der Junge hatte aber keinen
großen Spaß an dem Geschäft und als das Burbacher Hütten—
werk erbaut wurde und infolgdessen anderweitige Arbeits—
gelegenheit entstand, brannte er ihm eines Tages durch. Der
Vater beklagte sich darob bei den Bürgern, daß ihm der Junge
aus der Lehre gelaufen sei und bemerkte noch, der düumme
Kerl, in drei Monaten hätte er „ausgelernt“, dann hätte er
„das Horn“ bekommen.
Die vorgenannten drei Eichen, drei mächtige Eichbäume,
sind nicht mehr vorhanden; sie sind dem Zahn der Zeit zum
Opfer gefallen; ich glaube, sie sind durch Blitzschlag zerstört
worden. An ihrer Stelle sind drei junge Eichbäume gesetzt
worden. Sie standen am Ausgange der Viehtrift. Die Vieh—
rift, ein breiter Feldweg, erstreckte sich von der Stadt — am
Versorgungshaus vorbei durch das Ehrental bis zum Draht-⸗
zug; rechts und links lag in früheren Zeiten ein breiter Streifen
Landes unbebaut, damit das Vieh, wenn es in breiter Aus—
dehnung von und nach dem Walde getrieben wurde, die an—
grenzenden bebauten Felder nicht beschädige. St. Johann
er ebenfalls eine Viehtrift, von der Stadt nach dem Stadt⸗
walde.
Die meisten Hausbesitzer des Mittelstandes hatten, wie es
in einem Landstädtchen üblich ist, aber auch ein oder zwei
Rühe. Diese wurden im Herbst, wenn die Wiesen abgemäht
waren, ebenfalls von dem Kuhhirten, der ein anderes Instru—
ment blies, unter Mithilfe der Schuljugend, die dann gerade
Ferien hatte, auf die Weide getrieben. Zu damaliger Zeit
waren an vielen Hauseingängen noch die hohen, in die
Straßen hineinragenden Treppenvorbauten; da war es oft
spaßig anzusehen, wenn das Hornvieh, das längere Zeit nicht
aus dem Stalle heraus gekommen war und infolgedessen den
Rummel nicht mehr kannte, in der ersten Zeit die Treppen
hinauf und hinunter geschafft wurde. Auch fanden die Kühe
sich in den Straßen nicht so zurecht wie die Schweine, sie be—