Full text : Jugenderinnerungen aus der alten Saarbrücker Zeit

Bassen und Häuser. Die übrigen Einrichtungen und
Verhältnisse sind den Forderungen der Neuzeit zum Opfer ge⸗
fallen und ohne Sang und Klang verschwunden. Es bleibt
uns nur mehr die Exinnerung. Licht und Luft ist heute unsere
Losung. Durch die Erfindung der Dampfmaschine trat in der
Welt der Technik ein ungeheurer Umschwung ein. Nach dem
Dampfe kam die Elektrizitkät, und man kann dreist behaupten,
daß wir jetzt im Zeitalter der Hygiene stehen. Die vorige und
unsere Generation haben an Erfindungen mehr erlebt als
unsere Gesamtvorfahren während mehrerer Jahrhunderte.
In unserer Vaterstadt ging es in meinen Jugendjahren
noch sehr idyllisch zu. Jeden Morgen zwischen 7 und 8 Uhr
blies der Schweinehirt, genannt Mühlenbachs Jakob —
eine stadtbekannte Persoͤnlichkeit — begleitet von dem fürchter⸗
lichen Geheul einer Anzahl Hunde — seine Schalmei, von der
lieben Jugend Dudel genannt; er nannte das Ding Horn,
weil es genau wie ein Alphorn aussah.
Die Schweinebesitzer, die auf das Ertönen der Sauhirts⸗
dudel schon gewartet hatten, schoben die Riegel an den Stal⸗
lungen der Borstentiere zurück und ließen diese los. Aus fast
allen mittleren Bürgerhäusern, Höfen, Gassen und Gäßchen
kamen sie grunzend heraus und schlossen sich ihren bereits in
Bewegung durch die Stadt begriffenen Artgenossen an. An⸗
fangend am unteren Ende der Talstraße, an der Kreuzung
—DD
der Schweinehirt nun die lieben Borstentiere durch die Stadt
nach der Gersweilerstraße zu, nach dem Schanzenberger Stadt⸗
walde, dem Habsterdick, der Teufelspforte oder nach den drei
Fichen. Am Hirtenhaus wurden die Eber herausgelassen und
der Herde zugeteilt. Wenn der Schweinehirt am Laufbrunnen
des Schloßbergs angelangt war, nahm er sein Horn und
tauchte es in den Brunnentrog, hielt das Mundstück zu und
ließ es voll Wasser laufen, dann stuͤrzte er es um und schwenkte
es aus.
Dem Schweinehirt assistierte immer ein Teil der lieben
Schuljugend, die um diese Zeit grade zur Schule ging und
auch zu diesem Zwecke meist mit einer kleinen Peitsche mit
kurzem Stiele bewaffnet war; die Peitsche wurde von uns
vpährend der Schulzeit im Hosenbein aufbewahrt. Mit
Sonnenuntergang kamen die Borstentiere wieder nach Hause.
Sie wurden in ziemlicher Ordnung von ihrem Führer ge—
schlossen bis an das am Anfang der Stadt gelegene Hirten—
haus, woselbst die Eber in die Ställe getan wurden, gebracht
and dann los gelassen. Nun ging es aber in tollem Laufe und
mit wildem Geschrei den heimatlichen Ställen zu, wo das
Futter schon bereit gehalten wurde. Da jedes der Tiere das
            
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