fertigt werden. Viele der heutigen Artikel kannte man zwar
noch nicht; aber Türbeschläge, Schlösser, Schlüssel, Scharniere,
Bänder usw., die heute von keinem Handwerker mehr herge—
stellt, sondern von Fabriken als Massenartikel fabriziert
werden, wurden damals in den Werkstätten selbst angefertigt.
Da in Saarbrücken ein tüchtiger Handwerkerstand vorhanden
war, so fand auch immer ein großer Andrang von Handwerks—
lehrjungen statt; es war mitunter schwer, einen Jungen bei
einem tüchtigen Meister unterzubringen. Die Lehrzeit dauerte
in der Regel drei Jahre, wobei der Junge bei seinen Eltern
in Kost und Logis gebalten wurde. Nach Beendigung der
Lehre mußte er eine Prüfung vor der Kreisprüfungskommission
ablegen und das Gesellenstück anfertigen. Mit Stolz erzählten
dann die Eltern, er hat bei dem und dem Meister gelernt.
Heute ist das ganz anders, man kann wohl sagen um—
gekehrt. Die Meister, auch die tüchtigsten, haben Not, ordent⸗
liche Lehrjungen zu bekommen. Alles strömt den Fabriken
zu und will gleich Geld verdienen und sich amüsieren. Nach
Feierabend und des Sonntags sehen wir dann diese jungen
Leute in einem eleganten Anzuge, die Zigarre im Munde,
mit einem gespickten Portemonnaie ihr Bier in Lokalen mit
Musik trinken gehen.
Trotzdem Saarbrücken früher eine fürstliche Residenz war
und wir noch manch schönes Bauwerk aus der Nassau-Saar⸗
brücker Fürstenzeit besitzen, wie das von Baudirektor Stengel
entworfene Schloß mit seiner Umgebung, den Ludwigsplatz
mit der schönen, in neuer Pracht wieder erstandenen Ludwigskirche
und den stilvollen Häusern, so haben wir, wie fast alle
alten Städte, auch noch minderwertige Stadtteile und Gassen,
die den Anforderungen, die man heute an ein einigermaßen
gesundes Wohnen stellt, durchaus nicht mehr entsprechen.
Es gibt kaum einen größeren Gegensatz als den zwischen
unseren früheren kleinstädtischen Verhältnissen, wo Jahr und
Tag kein einziger Neubau zur Ausführung kam, und den Ver—⸗
hältnissen der heutigen Großstadt Saarbrücken. Hier die
breiten neuen Straßen der werdenden Großstadt mit stolzen
Prachtbauten, Warenhäusern, Villen und die schönen Kai—
anlagen. Dort zum Teil alte, vom Geiste der Neuzeit noch
unberührte Gassen.
Bei unseren Vorfahren war das Bauen ein phantastisches
Improvisieren ohne allen Zwang und ohne polizeiliche Vor—
schriften. Der Einzelne stellte sein Haus hin, wo es ihm gefiel
oder, wo gerade die Grenze seines Grundstückes abschnitt. Ein
zweiter baute daneben, unbekümmert, ob sein Haus mit dem
seines Nachbars in Flucht stand, oder vor oder zurück stand.
Die anderen bauten so weiter, und so entstanden die krummen