Full text: Marianne von der Leyen, geb. v. Dalberg, die "Große Reichsgräfin" des Westrichs

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sich zuletzt sogar die Jakobiner schämten und zwei 
Kommissäre, Purnot und Rolland, am 30. Juni 
nach Blieskastel absandten. Beide waren „Ad— 
ministrateurs du Directoire des Moseldepartements 
und sollten untersuchen, ob sich der Konvent in 
Boutay und Genossen getäuscht habe. Sie führten 
lange Verhöre und legten das Ergebnis in einem 
„Rapport“*) nieder, der einer moralischen Hin— 
richtung der Ausleerer gleichkommt. Ausdrücklich 
sagen die Kommissäre, daß das Schloß der Leyen 
an Pracht alle Nachbarschlösser übertroffen, von 
Gold gestrotzt habe, ein Zimmer schöner als das 
andere gewesen sei; dafür aber läge es auch im 
Zustande größter Verwüstung und Zerstörung. 
Kein Siegel sei angelegt, kein Inventar aufge— 
nommen, kein städtischer Beamter zu den Ope— 
rationen herbeigerufen worden. Man möge — 
zur gelinden Sühne des Unrechts — wenigstens 
die Geiseln in Freiheit setzen. Das geschah aller⸗ 
dings, doch erst — 2 Jahre nachher. Das Schloß 
wird aber im November 1793, nachdem die Bürger⸗ 
schaft auf eigene Kosten die Ankereisen der Strebe⸗ 
mauern wieder eingefügt hatte, auf den Abriß ver⸗ 
steigert und kommt hiebei, wie man erzählt, um 
300 fl. an den Juden Hirsch in Saargemünd, der 
den Mimbachern und Blieskastelern die pachtweise 
Benützung des Hauses als — Steinbruch gestattet. 
Die eigenen Untertanen haben das Schloß zer— 
*) Nach diesem Rapport ist Seite 86—-89 geschrieben.
	        
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