Full text : Marianne von der Leyen, geb. v. Dalberg, die "Große Reichsgräfin" des Westrichs

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Müde schleichen die Tage; Mai kommt ins
Land, und immer bangere Stunden bringt er.
Noch hofft die Reichsgräfin — und schon ist ihr
das Urteil gesprochen. In Paris hat am 6. April
der Wohlfahrtsausschuß sich gebildet, und im
Sinne Robespierres handelten die „Volksreprä—
sentanten“‘ von Metz, als sie am 11. Wai die
Kassation der Güter und die gefängliche Ein—
lieferung der herzoglichen und gräflichen Familien
Nassau, Leyen und Wittelsbach nach Paris be—
fehlen, mit anderen Worten, deren Ausrottung
durch Fallbeil wünschen! Dem Spruch folgte die
Ausführung auf dem Fuße. In tiefster Heimlich⸗
keit hatte Kommissär Boutay den Haftbefehl gegen
Marianne von der Leyen überkommen, in unheim—
licher Ruhe näherte er sich an der Spitze von
300 Gendarmen am Abend des 15. Mai 1798
der unglücklichen Stadt und Vesidenz. Die Nacht
war eingebrochen, als die Arreteurs ankommen.
Lautlos huschen sie durch die Wiesen und Büsche,
schleichen sie durch Tore und Straßen. Und bald
ist jeder Ausgang umlagert, jeder Weg verstellt!
Die Reichsgräfin Marianne von der Leyen,
die Sternkreuz⸗Ordensdame, die verdiente Regentin,
eine Landesmutter — — wird enden unter Robes—
pierres Schreckensmacht! )
Schwere Ahnungen hatten in der Nacht zuvor
ihre Seele gequält; unerträglich lang war der Tag
gewesen. Jetzt sank die stille Maiennacht auf Flur
und Stadt. Friede kehrte ein, und die Veichs—

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