Full text : Marianne von der Leyen, geb. v. Dalberg, die "Große Reichsgräfin" des Westrichs

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derselben Reichsgräfin, welche in betrogener Pflicht—
treue einem ungewissen Schicksale entgegentrauert.
Warianne hatte zwar äußerlich ihre sichere
Haltung bewahrt, hatte die Offiziere mit zuvor—
kommender Artigkeit und Gastfreundschaft be—
handelt, selbst die brandschatzenden Kommissäre,
besonders den Plünderer-Oberst Boutay, einen
Gerichtsvollzieherssohn aus Saargemünd und
herabgekommenen Gemeindeschreiber. Aber die
Ruhe der hohen Dame ist nur Schein. Blutenden
Herzens vernimmt sie das Gekröhl der Carmagnole,
hört sie das Vive la republique! von schweren
Stimmen lallen, sieht sie unter ihrem Fenster die
Jakobinische Mütze auf dem Freiheitsbaume flattern.
Betrogen, verlassen, gefangen! Kann sie dem Bei—
spiele ihrer gutsituierten Untertanen folgen? Pflicht
und Wort binden sie an diese Stätte des Schreckens
und des Raubens. Da klagt sie bei ihrem Ver—
trauten Bouqueton. Und was ist die Antwort?
„Ist die Ruhe einmal hergestellt, so werden Sie
befriedigt werden; dieser schöne Tag muß kommen.
Wir (d. i. die revolutionierenden Franzosen), sind
nicht so schwarz, als unsere Feinde uns zu publi—
zieren belieben. Hätten diese Leute — er meint seine
eigenen brandschatzenden Landsleute — nicht jede
Spur von Scham verloren, so wäre Ew. Durchlaucht
der Sieg gewiß. Flüchten Sie nicht nach Deutsch⸗
land, sondern kommen sie mit Geld nach Paris!“
Warianne wollte das letztere ebenso wenig, als
sie das erstere konnte.
            
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