Full text: Marianne von der Leyen, geb. v. Dalberg, die "Große Reichsgräfin" des Westrichs

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verjagt, und auch nach Blieskastel kamen jammernd 
die leyenschen Diener aus Forbach, ihrer Amter, 
Akten und Kassen beraubt. Fetzt wurde man ernst, 
sehr ernst! Diese nouvelles curieuses wurden zu 
Staatsaktionen selbst für deutsche Standesherrn! 
Marianne besonders, die ausgesprochene Freundin 
und zugleich nächste Nachbarin der großen Nation, 
mußte nachdenklich werden. Der Sturm, den sie 
sich so fremd und fern dachte, revoltierte nun schon 
in ihrem eigenen Innern, und die Vorstellung, daß 
die Nation rücksichtslosester Gewalt nicht „die große“ 
sein könne, drohte eine ganze Welt in WMarianne 
umzustürzen. In diesen Seelenkampf mischten sich 
unbestimmte Vorahnungen. König Ludwig XVI. 
nimmt man eben damals gefangen, die Jakobiner 
und Robespierre erlangen allgewaltigen Einfluß. 
Weunn deren Truppen einfallen sollten? Wird 
dann freundliche Neutralität noch helfen? Oder 
wird es geschehen sein um Land und Besitz? Diese 
Erwägungen ängstigten Marianne umsomehr, als 
tatsächlich Ssterreich und Preußen wegen jener 
Lothringischen Gewaltakte an Frankreich den Krieg 
erklärten und der Herzog von Braunschweig über 
das benachbarte Trier nach der Champagne zog. 
Ihm entgegen rückte Mosel abwärts Kellermann, 
während Custine von Straßburg aus einen Streifen 
girondistischer Heere gegen Mainz führte. So 
stand also der Krieg vor der Türe, umklammerte 
unser Grenzland mit dreifachem Arm und übergoß 
es, das ohnehin geängstigte, mit dreifachem Schreck,
	        
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