Full text: Marianne von der Leyen, geb. v. Dalberg, die "Große Reichsgräfin" des Westrichs

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reich emigrierten“) Standesgenossen die Aufnahme 
im Leyenschen. Indem sie damit gegen ihr Gefühl 
und gegen den begreiflichen Wunsch handelt, wider 
die geheimen agents provocateurs**) ein Gegen— 
gewicht zu schaffen, hat sie andererseits die Be— 
ruhigung, daß nicht blos hitzige Republikaner ihre 
Liberalität anerkennen, sondern daß auch das 
Dekret ihr nicht gilt, wonach alle Regenten, welche 
französische Flüchtlinge beherbergten, Feinde Frank— 
reichs seien.ꝰ) 
Indem also unsere Fürstin die Vorgänge im 
eigenen Volke wie Verfehlungen eines unverant— 
wortlichen Trunkenen behandelte, mit dem Auf— 
stand in Frankeich aber als mit etwas Fremdem 
nichts zu schaffen haben wollte, glaubte sie richtige 
Politik zu treiben; ihre Reichszugehörigkeit und 
ihre Sympatie für Frankreich würden wohl das 
übrige tun. Warianne fühlt sich also geborgen. 
Diesen Glauben sollte ihr aber eine in diesen 
Tagen aus Forbach einlaufende Nachricht gründ— 
lich zerstören. Schon 1790 hatten nämlich die 
Franzosen eine neue Einteilung ihres Landes vor— 
genommen und hiebei auch — auf der Karte — die 
deutschen Besitzungen in Lothringen als ihr Eigen— 
tum erklärt. So lange das nur auf französichen 
Karten stand, lachte man. Eines Tages aber 
wurden wirklich die Veichssbeamten aus Lothringen 
*) Ausgewandert. 
**x) Aufwiegler.
	        
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