Full text : Marianne von der Leyen, geb. v. Dalberg, die "Große Reichsgräfin" des Westrichs

Wer mit vollem Bewußtsein einer Gefahr
mutvoll und treu, entschieden und opferwillig auf
dem Posten verharrt, den eine sittliche Pflicht ihm
anweist, den krönt die Nachwelt mit dem Lorbeer
des Helden. Diese Auszeichnung wird man
Mariannen zwar nicht uneingeschränkt zusprechen
können, sofern man mit dem Waßstab reinpatrio—
tischer, deutschnationaler Gesinnung mißt; unsere
Fürstin ist eben zu sehr franzosenfreundlich, in der
nunmehr folgenden Prüfungszeit laviert sie zu
viel, denkt mehr an ihrer Familie Vorteil als an
des Vaterlandes Ruhm. Allein wie war es mit
diesem letzten denn damals eigentlich bestellt? Und
war Warianne nicht auch blos ein Weib, dessen
Blick im Kleinen sich begrenzt? Wenn sie also
ihre sittliche Pflicht darin erkannte, ihr Land sich
und sich ihrem Lande zu erhalten, wenn sie dieser
— beschworenen — Pflicht unter allen Umständen
selbst mit Hintansetzung familiärer und mütterlicher
Interessen, ja mit Wagemut genügte — darf sie
dann wenigstens ein Bild der Treue genannt
werden? Und wenn im Sturm und Zwang der
revolutionären Tage jene Läuterung der patrioti—
schen Gefühle erfolgt, welche notwendig den Tapferen
zieren müssen, ist dann unsere Reichsgräfin eine
Heldin?
            
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