Full text : Marianne von der Leyen, geb. v. Dalberg, die "Große Reichsgräfin" des Westrichs

seinen Sonntagspredigten „heftig donnerte“‘ gegen
Herrschaft, Hof und Beamte. Es bekam ihm übel;
er mußte in das abgelegene Pfarrhaus Blies—
mengen wandern, und dessen bisheriger Pfründner
Bringo, sein Konfrater, wurde Stadtpfarrer,““) ein
kleines Vorspiel von dem, was etliche Jahre später
in schärferer Tonart, freilich mit umgekehrtem Treff⸗
punkt von den Republikanern gegen die Geistlichen
vorgetragen werden sollte.
Diese Schatten lassen sich zwar nie verwischen,
aber sie mildern sich doch bedeutend, wenn man
auf andere gleichzeitige fürstliche Häuser blickt,
welche ihre Länder sich fast verbluten ließen (in
Zweibrücken zahlte man zehnmal so hohe Steuern
als im Leyenschen), und wenn man bedenkt, daß
das reiche Leyengeschlecht fast alles aus seiner
Familienkasse bestritt. Dazu kam die gewinnende
Erscheinung der Veichsgräfin, der öftere und direkte
Verkehr mit und in dem Volke, namentlich bei
den häufigen Ausfahrten nach den Schlössern ins
Würzbachtal, im Frühjahr, wenn die Flur erblühte,
im Sommer, wenn die weite Seefläche Kühlung
in den Annenhof wehte, im Herbst, wenn rings
der Obsthang lachte, im Winter, wenn fröhliche
MWenschenkinder auf dem Eise sich tummelten. Da
wird am stillen Sonntage der Wagen bestiegen,
ein Heiduck erklettert den Vücksitz, die Ehrenwache
vor dem Tore salutiert; es geht die Schloßberg⸗
straße ab. Von fern erklingen Kommandorufe:
Feldwebel Kamper fomiert seine Wachparade.
            
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