Full text: Marianne von der Leyen, geb. v. Dalberg, die "Große Reichsgräfin" des Westrichs

weit entfernt, indem sie Judenfeinden unter An— 
drohung von Strafe Mäßigung befahl, damit „den 
Juden nichts in den Weg gelegt werde“. Zur 
Förderung des Kleinhandels erließ Warianne 
(nachdem ihr Gemahl schon 1775 die Frucht- und 
Viehhalle gebaut) 15) 1786 eine genaue Warkt— 
ordnung, die — sogar in manchen Details — teil— 
weise noch heute zu Recht besteht; man kann dieser 
alten Ordnung, wenn sie auch wie die gesamte 
engherzige Zollpolitik unserer Reichsgräfin nach 
dem kleinlich⸗ängstlichen Unsicherheitsgrundsatz ver— 
faßt war: Das Land nur seinen Leuten! die Er— 
sprießlichkeit in jener Zeit nicht absprechen. 
In der Sorge für das materielle Wohl ihrer 
Untergebenen und Diener ließ sich die Fürstin aber 
auch nicht durch persönliche Opfer abschrecken. Eine 
Brandassekuranz“*) hatte sie schon ins Leben ge— 
rufen. Um auch die Hinterbliebenen ihrer Diener 
zu sichern, veranlaßte sie dann (eine Pension wurde 
ohnehin bezahlt) die Gündung einer „gesellschaft⸗ 
lichen Witwen- und Waisenkasse, welche mit Wirkung 
vom 1. Januar 1785 jeder Beamten- und Be— 
diensteten- Witwe ! /, jeder Waise! / des Aktivitäts— 
gehaltes vom Manne und Vaͤter gegen 2 Prozent 
Jahresbeitrag garantierte. Am Tage, da mit Voll— 
jährigkeit ihres Sohnes Marianne die Regierung 
verlassen sollte, stiftete sie dazu 30000 fl., ein 
schöner Hinweis auf das letzte Liebeswerk ihres 
Gemahls: Er sorgte für die Waisen der Bürger, 
*) Feuerversicherung.
	        
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