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Das ganze Haus wurde von der Aebtissin geleitet, auf
deren Persönlichkeit sehr viel ankam, die Einführung einer
solchen, wie auch die Aufnahme der Convents-Jungfrauen
und deren ganze Lebensweise, Tracht ꝛc. sind in der Ord⸗
nung genau vorgeschrieben (ef. Deißmann J. c. S. TOoff.)
Leider trug diese Schöpfung Ludwigs, der gesunde evan—
gelische Anschauungen zu Grunde liegen, nicht die gewünschten
Früchte, der dreißigiährige Krieg zeigte auch hier seine Zer—
störungsmacht. —
In diesem Kriege wählte Ludwig die Neutralitaͤt, wie
die meisten Wetterauischen Grafen, während Johann der
Mittlere von Siegen und Johann Albrecht von Solms⸗
Braunfels sich dem Haupte der evangelischen Union mit den
Waffen in der Hand anschlossen. Aber trotz der Neutralität
wurde sein Land nicht verschont, besonders als Spinola das
Land durchzog. Leider ließ damals Ludwig seinen zweiten
Sohn Philipp in die Dienste Spinolas treten und Lieutnant
im spanischen Heere werden, ein Schritt, der in großer Ver⸗
wirrung und Schwachheit geschah und zu dem heldenmütigen
Verhalten der Nassau-Dillenburgischen Grafen in scharfem
Kontrast steht. Als sich Ludwig am 6. Dezember 1621 an
den kaiserlichen Hof wandte, um eine rücksichtsvolle Be—
handlung seines Landes von Seiten der Kaiserlichen Truppen
zu erbitten, wurde sie ihm versprochen, „weil er der kaiser⸗
lichen Majestät jederzeit devot geblieben sei und darin wohl
auch bleiben werde“, doch auch des Kaisers Versprechen konnte
nicht die Roheit der zuchtlosen Soldaten hindern. Auch
als der Kaiser am 12. August 1626 dem Grafen Ludwig
wieder seinen besonderen Schutz versprach und ihm gestattete,
daß er, wenn die Not es erfordere, den Kaiserlichen Adler
und das Kaiserliche Wappen aufziehen lassen dürfe, half es
nicht durchschlagend. Besonders gefürchtet war der Kaiserliche
Oberst von Görzenich, der in Wiesbaden und Idstein furcht⸗
bar hauste.
Sehr beklagenswert waren die Erfolge der Gegen—
reformation, man denke nur an Johann den Jüngeren von