Full text : Die von den Grafen Albrecht und Philipp im Jahre 1576 publizierte Nassau-Saarbrücken'sche Kirchenordnung und Agende und ihre Weiterentwicklung

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Seele in der schwersten Gefahr steht. Hier in dieser höchsten
Noth dürfen die treuen Hirten ihre Schäflein nicht verlassen,
sondern müssen ihnen beistehen, mit Wort und Sakrament.
So wird der Krankenbesuch motiviert. In der Pos. 1 wird es
den Geistlichen an das Gewissen gelegt, jederzeit zu Kranken—
besuchen, „wenn sie beruffen werden“, willig und bereit zu
sein; in Pos. 2 wird darauf hingewiesen, wie der Pfarrer vor
allem dahin trachten solle, daß der Kranke in seinem Gewissen
zum Frieden komme, der Geistliche soll nicht zu schnell trösten,
wenn er keine wahre Reue sieht. Es sind goldene Worte,
wenn es S. 201 heißt: „Hiervon kann man aber nicht wohl
eine gewisse form vorschreiben, da muß ein jeder Pfarrherr
die gelegenheit der Person zu bedencken vnd mit einem jeden,
nachdem er jenen affectionirt befinten wirt, zu handeln wissen.“
Es folgt eine Anleitung zur Reichung des Krankenabend—
mahles; zuerst kommt die Beichte und Absolutionsformel,
sodann das Vaterunser und die Einsetzungsworte für die
Spendung des Brotes. Hierauf erhält der Kranke den
Leib des Herrn mit den Worten: „der Leib vnsers HERRN
Jesu Christi, für dich in Todt gegeben, stercke vnd beware
dich im glauben zum ewigen Leben. Amen.“ Dann folgt der
zweite Teil der auf den Kelch bezüglichen Einsetzungsworte,
worauf die Spendung des Kelches mit den Worten folgt:
„Das Blut vnseres Herrn Jesu Christi, für deine sünde ver—
gossen, sterckke vnd beware dich in rechtem glauben zum
ewigen Leben. Amen.“ Hierauf folgt entweder der 116. oder
1083. Psalm und der Segen. Auch S. 211 wird dem Geist—
lichen die Pflicht eines häufigen Krantkenbesuches ans Herz ge—
legt, und es werden dafür verschiedene Winke gegeben, so z. B
in Betreff des Gebetes, dieses soll geübet werden, „doch alle—
wegen mit der moderation, daß die gelegenheit deß krancken
bedacht, vnnd mit vielfältigem langen vnnd vnzeitigen ge—
schwetz er nicht etwa mehr jrre gemacht vnd betrübet, denn
onderwiesen vnd getröstet werde.“ Das ist weise. Die Aus—
wahl der für den Trost an Kranken- und Sterbebetten zweck—
dienlichen Bibelworte ist eine gute. Es folgen dann Gebete
            
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