Der Abschnitt „Von der Nothtauffe“, der wieder aus
der Hessischen K. O. stammt, verbietet den Weibern, auch
den Hebammen das Taufen; es wird so moliviert: Der
Apostel Paulus sagt: die Weiber sollen stillschweigen in der
Gemeine, „damit er jnen nicht alleine das offentlich Lehren
und Predigen in gemeinen christlichen Versammlungen, sondern
auch das Sacrament reichen, vnd andre zum gemeinen Kirchen—
dienst gehörige Actiones vnd Handlungen, dazu beyde, im
alten vnd neuen Testament jederzeit die Mannspersonen be—
stellet gewesen seind, benommen vnd verbotten haben will.“
Auch habe das Conzil in Karthago ausdrücklich verboten:
Die Weiber sollen nicht taufen. Wenn die Kinder schwach
würden, sollten die Leute, es sei am Tage oder in der Nacht,
den Pfarrer holen, „welcher diese Aktion, ob sie gleich sonst
für der gemeinen Kirchen allein zu verrichten, im fahl der
not auch wol privatim in gegenwertigkeit frommer Christen,
deren hierzu souiel in der eil möglich, etliche erfordert
werden sollen, anstellen mag.“ Als Pendant wird hierzu
das Krankenabendmahl erwähnt. Sollte der Pfarrer nicht
da sein und die höchste Not drängen, „sollen die Leuth dahin
angewiesen vnd vermanet werden, daß in solchem fahl, die
so darbey seind, vnsern Herrn Gott zuuor anruffen vnd
ein Vatterunser bettn, wenn solchs geschehen, alsdann darauff
teuffen im namen des Vatters, vnd des Sohns vnd des
heilgen Geistes.“ Nach dem Eingange des Abschnittes können
hier unter den Leuten nur Männer verstanden sein. An der
Richtigkeit dieser Taufe soll nicht gezweifelt werden, deshalb
ist sie unter keinen Umständen auch nicht bedingungsweise
zu wiederholen, nur soll das Kind, wenn es am Leben bleibt,
in die Kirche getragen und die Taufe bestätigt werden. Ein
dazu erforderliches Formular ist mitgeteilt. Nachdem die
notwendigen Fragen darin gestellt und beantwortet sind, und
ein Vater Unser gebetet ist, spricht der Pfarrer: „Der All—
mechtige Gott vnd Vatter vnsers HERRM Jesu Christi,
der dich durchs Wasser vnd heyligen Geist anderst geboren
vnd dir alle deine sünde vergeben hat, der stercke dich mit