Besserung der gantzen Gemein und eines jeden Christen in—
sonderheit. Wie kündten aber diejenigen gebessert werden,
welche, was da geredt, gelesen oder gesungen wird, nicht
verstehen?“ Während bei dem ersten Punkte, wo das ein—
müthige Lob Gottes genannt wird, der soziale Gesichts—
punkt hervortritt und hier der pädagogische, so fehlt auch
der spezifisch liturgische nicht. „Alle so in der Gemein zu—
sammen kommen, sollen zu allem Gesang, Lehren, Lesen,
Beten ꝛc., damit Gott angeruffen, geehret, gelobt vnd ge—
priesen wirt, zum wenigsten Amen sagen: Wie kann aber
einer Amen sagen zu dem, das er nicht verstehet, vnd nicht
weiß, was damit gemeynet ist? Kor. 14.“
Nur in Städten, wo lateinische Schulen sind, wo auch
viele find, welche die lateinische Sprache verstehen, und auch
fremde durchreisende Leute aus dem Ausland den Gottes—
dienst besuchen, kann bei dem Anfang des Gottesdienstes
oder zur Vesper ein lateinischer Psalm oder Introitus ge—
sungen werden.
Es wird noch betont, daß nicht zu lange Zeit für die
Gesänge geopfert werde, an den Feiertagen vor der Predigt
nicht mehr als 1, an den Werktagen nicht mehr als
. Stunde.
Sehr wichtig ist die Erinnerung, daß das Volk in den
Predigten dazu angehalten werde, die gebräuchlichen Kirchen—
lieder zu lernen, „damit wenn in gemeinen Versammlungen
gesungen werde, auch selbst ein jeder vor sich insonderheit
mitsingen könne.“ — Solches geschah damals hauptsächlich
aus dem Grunde, weil viele Gemeindeglieder keine Gesang—
bücher in Händen hatten und weil dieselben oft zu teuer
waren, als daß sie sich alle Leute anschaffen konnten. Ich habe
in den Akten des Königl. Staatsarchivs zu Wiesbaden eine
Anzahl Register gefunden, worin diejenigen Gemeindeglieder
notiert werden, welchen ein Gesangbuch unentgeltlich von
der Behörde geliefert wurde; da sind lange Reihen auf—
geführt. Anders hätte man früher gar kein Gesangbuch all—
gemein einführen können. —