Full text : Die von den Grafen Albrecht und Philipp im Jahre 1576 publizierte Nassau-Saarbrücken'sche Kirchenordnung und Agende und ihre Weiterentwicklung

zu Herborn für 1863, S. 46 ff.), während die Kirchenordnung
für das Stift und die Stadtpfarrei, die den Stiftsherrn, dem
Dekan, dem Kapitel und dem Pfarrer Peter Frensius kurz—
vorher mitgeteilt worden war, bis jetzt noch nicht aufgefunden
werden konnte. Sie ist in Goltwurms, des Weilburger
Reformators Schriften über das Interim veröffentlicht; diese
Schriften sind aber verschollen. Diesem Mann, über welchen
Nebe J. c. schon manches Interessante mitgeteilt hat, dessen
Schriften uns einen edlen christlichen Charakter mit weitem
Blick zeigen, müßte ein biographisches Denkmal gesetzt werden;
vielleicht würden bei solchen Nachforschungen auch die bis
jetzt vermißten Kirchenordnungen der damaligen Zeit an das
Licht gezogen werden. Weil Goltwurm sich manche Nassau—
Dillenburgische Einrichtungen wie Synoden, Kirchenvisitationen,
Konferenzen mit den Pfarrern, Förderung der fämtlichen Kate—
chisationen, Beaufsichtigung der Synodalen u. A., zum Vorbilde
nahm, so gewann er auf die Entwicklung des kirchlichen Lebens
in Philipps Gebiet großen Einfluß. Leider fiel das Interim
wie ein Reif in der Frühlingsnacht auf die zarten, aufgehenden
Blümlein echt evangelischen Lebens; Goltwurm mußte eine
Zeitlang weichen, aber das Werk aus Gott ging nicht unter,
auch dann nicht, als Philipp IIlI. und Goltwurm starben.
Graf Philipp III. war 9 Tage nach seinem 55. Geburtstage
 am 4. Oktober 1559 in Weilburg verschieden. Seine
Grabschrift in der dortigen von ihm erbauten Pfarrkirche
lautet: Philippus heros pius magnanimus et fortis evangelii
 instaurator, in egenos munificus. Er war dreimal
verheiratet und hinterließ mehrere Kinder. In der Regierung
folgten ihm sein Sohn Albrecht, aus der 2. Ehe mit der
Gräfin Anna von Mansfeld staummend, geb. den 26. Dez.
1537 und Philipp, der der 3. Ehe mit Amalie von Isen—
burg⸗Büdingen entsproßte, geb. am 14. Oktober 1542, also
5 Jahre jünger. Kaspar Goltwurm war der Erzieher der
Grafen, von denen der älteste mit Melanchthon befreundet
war und der jüngere in Jena seine Studien machte. Im
Jahre 1561 teilten die beiden Brüder ihren Besitz: Albrecht
            
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