Full text : Heimatkunde des Regierungsbezirkes Trier und des Saargebietes

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führt wurde. Über 30 Länder aller Erdteile waren daran
beteiligt; 40⸗ 60 Million Streiter wurden zum Kampfe
aufgeboten, bei dem viele neue, bisher unbekannte Waffen
von schrecklicher Wirkung verwandt wurden. Eines dieser
neuen Kampfmittel hat auch im Saargebiet großes Unheil
angerichtet; es waren die Bomben der feindlichen Flieger.
Uber 260 mal hat Saarbrücken die Schrecken des Luft—
krieges bei Tag und bei Nacht erlebt. Es mußte ein be—
sonderer Dienst zur Abwehr der Flieger eingerichtet werden.
Im Umkreis der Stadt wurde (wie auch bei andern wich—
gen Orten) eine große Zahl Abwehrgeschütze aufgestellt,
die über 3 Jahre in Tätigkeit waren (Flugwachen, Flug—
station bei St. Arnual, Fesselballone, Fliegerstollen).
Wenn feindliche Flieger sich näherten, wurde die Be—
völkerung durch Heulsirenen davon benachrichtigt und ge—
warnt. Jeder Verkehr stand dann fast augenblicklich still,
die Straßen leerten sich, und alles suchte im Keller oder an
andern sicheren Orten Schutz vor den furchtbaren Bomben.
Bald begann der Donner der Abwehrgeschütze und das
Geknatter der Maschinengewehre; mit furchtbarem Krachen
schlugen die abgeworfenen Bomben der Flieger ein, zer⸗
störten zuweilen ganze Häuser und verbreiteten Tod und
Verderben im weiten Umkreis. War die Gefahr endlich
vorüber, so ertönten wieder die Sirenen, die erschreckten
Menschen kamen aus ihren Verstecken hervor und suchten
mit Bangen die gestörte Nachtruhe auf oder setzten ihre
Arbeit fort. Zuweilen kehrten die Flieger nach kurzer Zeit
zurück, und das unheimliche Schauspiel wiederholte sich.
Die Schule mußte während solcher Fliegerangriffe am
Tage gausgesetzt und die Arbeit in Fabrik und Werkstätte,
im Laden und Kontor, im Freien und in den Häusern ein⸗
gestellt werden. Die Stadt lag nachts stets in tiefem
Duͤnkel, da jede Beleuchtung verboten war.
Gegen 700 Bomben wurden in der Zeit vom 9. August
1915 bis 6. November 1918 (dem letzten UÜberfalh) auf die
Saacgroßstadt allein abgeworfen. Dadurch wurden 60 Per⸗
sonen getötet und etwa 200 verletzt. Der Sachschaden
wurde für Saarbrücken auf über 2 Millionen Mark geschätzt.
            
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