Full text : Heimatkunde des Regierungsbezirkes Trier und des Saargebietes

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9. Unsere Heimat unter französischer Herrschaft.
a)Wasdie Neuordnungbrachte. Die ehemäalige
Grafschaft Saarbrücken wurde nach der Abtretung des
linken Rheinufers an Frankreich dem Depardement Saar
(mit der Hauptstadt Trier) zugeteilt und bildete das
Arrondissement Saarbrücken. Die neuen Behörden wurden
am Ostersonntag 1798 in Saarbrücken feierlich eingesetzt
und überall Freiheitsbäume errichtet. Die Bewohner
hießen fortan Bürger; jeder Standesunterschied hörte auf.
Die christlichen Sonn⸗ und Feiertage wurden abgeschafft
und dafür die Dekaden und republikanische Feiertage ein—
geführt. Auch die neue französische Zeitrechnung kam zur
Anwendung. 1802 erfolgte die Aufhebung der Klöster,
die nicht dem Unterricht oder der Krankenpflege dienten.
Deren Güter wurden als Staatseigentum erklärt und
gingen vielfach durch Kauf in den Besitz reicher Privatleute
uͤber. Die vielgepriesene Freiheit, Gleichheit und Brüder—
lichkeit“, welche die französische Revolution jetzt auch unserm
heimatlande brachte, gewährte dem Volke aber wenig
Freude. Denn an Stelle der früheren Lasten, Zehnten und
Fronden traten nun neue drückende Abgaben und Steuern
aller Art (wie Grund-, Mobilar⸗, Tür- und Fenstersteuer,
Abgaben von Wein, Bier und Branntwein, Oktroi, Zoll,
Brücken- und Stempelsteuer) sowie eine strenge Polizei.
*bp) Einneuer Aufschwung. Freilich brachte die
Franzosenherrschaft unserm Lande auch manches Gute, be—
sonders seit der französische General Napoleon Bonaparte sich
an die Spitze der Regierung gestellt und dann (1804) zum
Kaiser der Franzosen gemacht hatte. Die 10 Kohlengruben, die
zuerst verpachtet waren, wurden nach 10, Jahren vom Staat
in eignen Betrieb genommen. Die Eisenhütten verpachtete die
Regierung meist an französische Fabrikanten. Um 1800 er⸗
warben die Gebrüder Krämer das Werk in St. Ingbert und
die Gebrüder Stumm die Neunkirchener Hütte. Die Glashütten
in Gersweiler und Merchweiler nahmen den Betrieb wieder
auf, und in Fenne und Sulzbach wurden neue errichtet. Bei
Saarbrücken wurde ein Sensenwerk errichtet, dessen Gebäude
später als Kasernen benutzt wurden. Eine Saline in Rilchingen
lieferte reichlich Salz. Die Schlösser und andern Domänen
wurden an Private verkauft. Wie die Industrie, so nahm auch
die Landwirtschaft einen erfreulichen Aufschwung, und der
            
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